Grossstadtrat René Schmidt schlägt in seinem Postulat vom 3. September 2019 vor zu prüfen, ob SH POWER künftig nur noch Stromprodukte aus 100% erneuerbaren Energien anbieten soll.

Zu den wichtigsten 6 Punkten der Ausgangslage im Hinblick auf die Umsetzung dieser Forderung:

  1. Der Grosse Stadtrat hat die Eignerstrategie der städtischen Werke letztes Jahr verabschiedet. Diese hält fest, dass SH POWER bis 2024 möglichst keine Atomenergie mehr im Strommix ausweisen soll.
  2. Ein Ausstieg aus der Atomenergie sieht auch die Energiestrategie 2050 und damit die eidgenössische Energiegesetzgebung vor. Um dabei aber nicht von Energie aus ausländischen Kohle- oder Kernkraftwerken abhängig zu werden, muss man langfristig auf Strom aus erneuerbaren Energien setzen.
  3. Der Grosse Stadtrat hat dies schon am am 19.08.2014 so gesehen und folgendes beschlossen: «Der Kernenergieausstieg der Stadtverwaltung erfolgt einerseits durch den Bezug von möglichst lokal produziertem Strom aus erneuerbaren Energien und anderseits durch den Zubau von Solarstromanlagen und anderen erneuerbaren Energien auf städtischen Liegenschaften sowie durch Beteiligungen an alternativen Stromerzeugungsanlagen (Rahmenkredit Städtische Werke)».
  4. Als erste Energiestadt der Schweiz seit 1991 mit dem Goldlabel, der höchsten Auszeichnung für Städte und Gemeinden, hat sich die Stadt verpflichtet, sich kontinuierlich für eine effiziente Energienutzung, für den Einsatz und die Förderung erneuerbarer Energien und für den Klimaschutz zu engagieren und dabei besonders hohe Anforderungen zu erfüllen.
  5. Unbestritten ist, dass sich der Energiemarkt zunehmend von fossilen Brennstoffen abwenden wird und die Bedeutung von erneuerbaren Energien immer grösser wird.
  6. Die Aktionäre der Swisspower AG, der strategischen Allianz der Schweizer Stadtwerke, welcher auch SH POWER angehört, hat sich in ihrem Masterplan 2050 zum Ziel gesetzt, ihre Kunden künftig zu 100% mit erneuerbaren Energien zu versorgen. In diversen Stadtwerken wurde diese Ökologisierung des Strommixes bereits vorgenommen, ohne dass es zu negativen Auswirkungen auf deren Wirtschaftlichkeit geführt hätte, erstaunlicherweise auch nicht bei den ungebundenen Grosskunden. 

Aber natürlich ist dieser Aspekt gerade im Hinblick auf die allfällige weitere Liberalisierung des Strommarktes genau anzuschauen, stehen die Städtischen Werke SH POWER bei den Energiepreisen doch in Konkurrenz zu anderen Anbietern.
Im Gegensatz zu vielen anderen Stromversorgern produziert SH POWER im Kraftwerk Schaffhausen Ökostrom praktisch «vor der Haustür» ihrer Kunden. Es ist heute daher schwierig zu argumentieren, warum das Standardprodukt von SH POWER ein europäischer Mix ist, welcher neben Wasserkraft auch Kohle- und Kernkraft enthält.

Ich komme damit zum Fazit des Stadtrats:
Die Forderung des Postulats von René Schmidt geht in die richtige Richtung. Eine Produkteumstellung auf 100 % erneuerbare Energien wäre ein bedeutender Beitrag zur Umsetzung der demokratisch beschlossenen Vorgaben im Energiebereich.

Weil sich bei einer Ökologisierung des Stromangebots von SH POWER auch Fragen zur Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens stellen, welche sich auf Arbeitsplätze und wichtigen Einnahmen auswirken können, braucht es eine gesamtheitliche Betrachtung und eine realistische Einschätzung von Chancen und Risiken einer solchen Massnahme. Diese Fragen müssen sorgfältig geklärt werden.

Der Stadtrat versteht das Postulat in diesem Sinn als Prüfauftrag. Er ist der Ansicht, dass es sich lohnt, die Vor- und Nachteile einer Umstellung auf 100% erneuerbare Energien im Stromangebot von SH POWER vertieft anzuschauen und danach dem Grossen Stadtrat wieder Bericht zu erstatten.

Wir beantragen Ihnen deshalb, das Postulat an den Stadtrat zu überweisen.