Silberfüchse werden Teenager

Älter als sechzig Jahre sind sie alle, feiern aber erst den zehnten Geburtstag ... als Gruppe aktiver Seniorinnen und Senioren.

Der Silberfuchs ist – laut «Brehms Tierleben» – eine Farbvariante des Rotfuchses. Die politische Analogie liegt auf der Hand: Die «Silberfüchse», eine Gruppe «aktiver Schaffhauser Seniorinnen und Senioren», weisen einen «roten», nämlich sozialdemokratischen Stammbaum auf. «Man muss aber nicht SP-Mitglied sein, um mitzumachen», betont Dieter Hafner, der vor zehn Jahren als pensionierter Kantonsschullehrer, zusammen mit seinen parteipolitischen Mitstreitern Susi Greutmann und Kurt Fuchs – alles «alte Hasen» in den Parlamenten von Stadt und Kanton –, die «Silberfüchse» als lose Gruppe ins Leben rief. Ursprünglich sahen die drei «Ur-Silberfüchse» darin eine Alternative zur doch eher rechts politisierenden «Seniorenallianz», aber dann verzichtete man doch und sehr bewusst auf eine eigene Liste bei Wahlen.

Dass vor Urnengängen ein Inserat mit der rötlichen «Silberfuchs»-Abstimmungsempfehlung zu erscheinen pflegt … nun ja, man stammt ja aus dem politisch linken Spektrum, «aber durchaus auch darüber hinausschauend», so Hafner. So trifft man sich zehnmal pro Jahr nachmittags im «Huus Emmersberg» zu nicht nur politischen, sondern ebenso zu allgemeinbildenden Vorträgen und Diskussionen, für die profilierte Referenten zu aktuell bewegenden Themen gewonnen werden. Der genau hundertste dieser Treffs wurde nun zum Jubiläumsfest, und der Referent war entsprechend hochkarätig: alt Bundesrat Moritz Leuenberger (siehe nebenstehenden Bericht). Er hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von zwölf Jahren, der bei uns heimische Fuchs, während die silbrige Farbvariante wild lebend am Aussterben ist und heute nur noch in Farmen als Pelzlieferant gehalten wird. Die zehnjährigen Schaffhauser «Silberfüchse» schauen denn auch etwas besorgt in die Zukunft: Der «Nachwuchs» ist spärlich, und die Aufrufe an Sechzigjährige und Ältere, doch einmal zu einer Veranstaltung zu kommen und sich allenfalls in der Gruppe zu engagieren, verhallen häufig ohne Echo. Zum zehnten Geburtstag der aktiven Schaffhauser Seniorinnen und Senioren, der gestern Abend im «alten Schützenhaus» auf der Schaffhauser Breite gefeiert wurde, kamen allerdings rund sechzig putzmuntere Teilnehmende und zahlreiche Gäste, unter denen Dieter Hafner eine Delegation der Jungsozialisten sowie Stadtrat Peter Neukomm und Nationalrätin Martina Munz begrüssen konnte. Beide überbrachten – nach einem ausgedehnten Apéro zu den Klängen des Jazzpianisten Thomas Silvestri – die besten Glückwünsche. Die Jubilierenden würden beweisen, so Neukomm, dass man sich auch im Alter aktiv ins Gemeinwesen einzubringen vermöge.

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger «Die Lüge in der Politik»

Der Titel des Vortrags hätte ebenso gut lauten können: «Die Wahrheit über die Lüge und die Lüge über die Wahrheit». Moritz Leuenberger, vor vier Jahren zurückgetretener sozialdemokratischer Bundesrat aus Zürich, legte in einem spannenden Referat vor den «Silberfüchsen» die Begriffe der Lüge und der Wahrheit auf den Prüfstand seiner eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse. Einmal philosophisch, dann sozialethisch und politisch und schliesslich anhand konkreter Fälle aus der Welt- und Schweizer Geschichte. Und siehe da: Der Generalthese von der «moralischen Ächtung der Lüge, weil sie Vertrauen untergräbt», steht eine ganze Reihe von tatsächlich «vertretbaren Unwahrheiten» gegenüber. Nicht, dass damit dem Grundsatz von Treu und Glauben die Bedeutung abgesprochen werde («Ich muss später immer glaubwürdig begründen können, weshalb ich zu einer Unwahrheit gegriffen habe»), aber eine Lüge könne manchmal helfen, «einen grossen Schaden zu vermeiden, den das Bekanntwerden der Wahrheit anrichten würde». «Aber was ist Wahrheit, was Lüge?», fragte Leuenberger. Hat der Politiker gelogen, wenn er Wahlversprechen nicht einhält? Und sind Überzeugungen, wenn sie sich später als falsch herausstellen, Lügen?

Da gäbe es viele Abstufungen, vom Unwissen über die Fahrlässigkeit bis zur vorsätzlichen, absichtlich in die Welt gesetzten Unwahrheit. Der Generalverdacht, in der Politik werde am häufigsten gelogen, hänge zwar wie ein Damoklesschwert über ihren Repräsentanten. Aber, so Leuenberger, zu Unrecht: Im Geschäfts- und im Privatleben ist die Lüge verbreiteter. Ob das nun wahr oder gelogen ist … Moritz Leuenberger hätte für die Antwort mit seinem Referat von vorn beginnen müssen. (Martin Edlin)

 


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