Sich am Positiven freuen

gehalten am 1. August 2014 auf der Staag in Hemmental

Liebe Hemmentalerinnen und Hemmentaler,
liebe Schaffhauserinnen und Schaffhauser

Ich freue mich, mit Ihnen den 1. August-Feier feiern zu können und Ihnen die Grüsse des Stadtrats überbringen zu dürfen. Dem Turnverein als Veranstalter des heutigen Festes danke ich ganz herzlich für die freundliche Einladung und seinen wertvollen Einsatz für den heutigen Anlass.

Der 1. August ist unser Nationalfeiertag. Aber was feiern wir eigentlich genau? Was ist es, das unsere Nation ausmacht, was unser Land so einzigartig macht? Ich habe mir dazu ein paar Gedanken gemacht.
Im Wesentlichen ist es sicher unser genossenschaftliches Staatsmodell. Wir alle sind Teil davon. Wir sind diejenigen, die unsere staatliche Gemeinschaft ausmachen, die sie gestalten, sie finanzieren und von ihr profitieren. Wir alle tragen auch die Verantwortung für diesen Staat. Er braucht uns, unser Interesse, unsere Mitwirkung, unsere Auseinandersetzung aber auch unser Vertrauen und unsere Identifikation. Ohne diese Anteilnahme verliert unser Gemeinwesen seine Bedeutung und vor allem seine Legitimation.

Aber was erzähle ich das Ihnen? Sie beweisen ja mit Ihrem heutigen Erscheinen, dass Sie nicht zu dieser leider wachsenden Gruppe von Miteidgenossen gehören, die mit Ausdrücken wie Gemeinsinn, Gemeinwohl und Solidarität nichts mehr anfangen können; Menschen, die sich nur noch um ihren eigenen Vorteil kümmern und denen die Gemeinschaft egal ist. Die unanständigen Lohnexzesse einer abgehobenen Managergilde bildet da nur die Spitze eines Eisbergs. Der soziale Zusammenhalt unserer Gemeinschaft ist durch verschiedene Entwicklungen in Frage stellt. Vor einer derart entsolidarisierten Gesellschaft, in welcher der materielle Profit zum einzigen Angelpunkt wird, graut es mir.

Darum soll der heutige Feiertag auch Anlass sein, sich wieder einmal auf die wichtigen Ziele und Werte zu besinnen, die unserer Willensnation zu Grunde liegen. Fassbar werden diese in den Grundlagen unseres Staatswesens, in der Bundesverfassung, der Kantonsverfassung und der Stadtverfassung. Hier haben wir und unsere Vorgänger auf demokratischem Weg festgelegt, was uns wichtig ist und wie wir zusammenleben wollen.

So gibt uns die Stadtverfassung (Art. 2) vom 25.09.2011 wichtige Ziele für unsere kommunale Ebene vor: Einerseits gilt es die Voraussetzungen für ein sicheres, menschenwürdiges und auf gegenseitigem Respekt und Solidarität beruhendes Zusammenleben zu schaffen. Andererseits verpflichtet sie uns zu einer ökologisch, wirtschaftlich und sozial nachhaltigen Entwicklung. Sie macht uns auch Vorgaben für das Angebot, das wir zugunsten der Bevölkerung zu schaffen und zu unterhalten haben, wie z.B. für ein vielseitiges und bedarfsgerechtes Bildungs-und Betreuungsangebot sowie für ein breitgefächerte Sportinfrastruktur.

Ich bin überzeugt, dass wir alle hinter diesen wichtigen Zielen stehen können. Um sie zu erreichen, braucht es aber auch genügend personelle und finanzielle Ressourcen. Das scheint einem Teil unserer Miteidgenossen nicht immer klar zu sein. Man will zwar möglichst alles, aber am liebsten zum Nulltarif. Der ehemalige britische Aussenminister Anthony Eden hat das einmal wie folgt auf den Punkt gebracht: „Jeder erwartet vom Staat Sparsamkeit im Allgemeinen, aber Freigiebigkeit im Besondern.“

Nun ist unser Staat aber keine Einbahnstrasse. Wohlstand, Sicherheit und Gerechtigkeit sind nicht umsonst zu haben. Jede und jeder haben nach ihren Kräften zur Bewältigung der Aufgaben in Staat und Gesellschaft beizutragen. So verlangt es die Bundesverfassung in Art. 6. Und dafür erhalten wir alle hochwertige Gegenleistungen und zeitgemässe Infrastrukturen auf allen drei Staatsebenen. Das wird uns international immer wieder attestiert. Um das selber festzustellen, müssen wir gar nicht weit ins Ausland reisen. Wir sollten den Nationalfeiertag deshalb zum Anlass nehmen, uns wieder einmal darüber zu freuen und stolz darauf zu sein, was wir haben.

Sich am Positiven freuen zu können, ist wichtig, auch wenn es nicht immer zu unseren Stärken gehört. Leider suchen ja viele Miteidgenossen immer lieber das Negative, das Trennende statt das Verbindende, die Risiken statt die Chancen. Das macht es in der Politik nicht immer einfach und verhindert leider oft wichtige Entwicklungen und gute Lösungen, auch auf kommunaler Ebene.

Zum Glück war das 27.04.2008 nicht so, als Sie mit knappem Mehr der Fusion mit der Stadt zugestimmt haben. Da gaben die positive Erwartungen, das Verbindende und das Vertrauen gegenüber der Stadt den Ausschlag. Auch, wenn ich weiss, dass noch nicht alle Wunden dieses schwierigen Entscheidungsprozesses verheilt sind, bin ich doch überzeugt, dass dieses Vertrauen gerechtfertigt war und sich der Entscheid für die Menschen in Hemmental positiv auswirkt und auch in Zukunft positiv auswirken wird.
Die Stadt ist mit Hemmental um ein attraktives Wohnquartier und um ein wunderschönes Erholungsgebiet reicher geworden. Als Forst- und Güterreferent weiss ich auch, dass zum Stadtgebiet noch 125 Hektare zusätzlicher Wald und ca. 40 ha Landwirtschaftsland hinzugekommen sind. Auch die Kirche mit ihrer spannenden Vergangenheit gilt es zu erwähnen. Da gefällt mir aufgrund meiner politischen Herkunft natürlich vor allem die besondere Farbe, die bei der Sanierung 1929 aufgrund der Mitwirkung des Bergeller Kunstmalers Augusto Giacometti gewählt worden ist. Zudem ist Schaffhausen mit dem Gemeindegebiet von Hemmental zu einer der höchstgelegenen Kantonshauptstädte geworden. Das alles ist für uns auch eine Verpflichtung, der wir gerecht werden wollen. Dazu haben wir uns schon im Fusionsvertrag bekannt. Davon zeugen bis heute konkrete Projekte in und für Hemmental, unter anderem die Verbesserung der Busanbindung, die Tempo-30 Zonen in den Wohnquartieren, die Sanierung des Spielplatzes vor dem Schulhaus, das Führen von Schulklassen im hiesigen Schulhaus, die Erneuerung der Wasserversorgung, der neue Radweg ins Zentrum oder der Schalter der Einwohnerkontrolle. Aufgegleist ist auch die Revision der Ortsplanung, welche für die bauliche Entwicklung von Hemmental Bedeutung hat.

Und unterdessen ist der Ortsteil Hemmental ja auch in der Stadt angekommen: Neben dem Chef des städtischen Tiefbauamts und dem Bereichsleiter der städtischen Einwohnerdienste wohnt mit Urs Hunziker sogar schon ein Mitglied der Stadtregierung hier. Letztes Jahr hat Hemmental mit Daniel Schlatter den höchsten Stadtschaffhauser gestellt und nach den Sommerferien belegen die Hemmentaler mit ihrem dritten Vertreter gegen 10 % der Sitze im Grossen Stadtrat und das bei einem Bevölkerungsanteil von unter 2 %! Das ist eindrücklich und zeigt, wie erfreulich hoch Ihre Anteilnahme an der Entwicklung unseres Gemeinwesens ist. Besondere Freude machen uns natürlich auch die aktiven Vereine und im Speziellen der Dorfverein, der seine Rolle als Quartierverein vorbildlich wahrnimmt. Für den Stadtrat ist das Verhältnis zu den Quartiervereinen als Scharniere zur Wohnbevölkerung sehr wichtig, was wir mit regelmässigen Treffen zum Ausdruck bringen.

Damit die Stadt ihren Verpflichtungen für ihre Wohnquartiere und damit auch für Hemmental weiter nachkommen kann, muss sie leistungs- und investitionsfähig sein. Das ist mir als Finanzreferent besonders wichtig. Denn nur eine starke Stadt ist eine attraktive Stadt, weil sie in ihre Zukunft investieren kann. Es braucht ein parteiübergreifendes Bekenntnis dazu, dass Schaffhausen seine wichtige Funktion als wirtschaftlicher, gesellschaftlicher, kultureller und sportlicher Motor unserer ganzen Region weiterhin erfolgreich wahrnehmen kann. Davon profitieren alle. Ein schmerzhafter Abbau wertvoller öffentlicher Leistungen wie er zurzeit beim Kanton droht, schmälert unsere Attraktivität als Wohn- und Wirtschaftsstandort. Das müssen wir für unsere Stadt unbedingt vermeiden. Ich werde mich jedenfalls weiterhin tatkräftig dafür einsetzen.

Schliessen möchte ich meine Rede mit einem Zitat von Roger De Weck, dem Generaldirektor der SRG. An seiner 1. Augustrede 1992 auf dem Fronwagplatz hat er etwas gesagt, das mir in Erinnerung geblieben ist und das so gut zum heutigen Feiertag passt: „Das Schicksal eines Landes wird nicht bloss durch seine Traditionen bestimmt, sondern auch durch seinen Willen und seine Kraft, die Zukunft zu meistern.

Liebe Hemmentalerinnen und Hemmentaler, liebe Schaffhauserinnen und Schaffhauser, ich wünsche uns diesen Willen und diese Kraft, um unsere Gemeinschaft zusammen weiter vorwärts zu bringen und ich wünsche Ihnen allen Gesundheit, viel Gefreutes und weiterhin ein schönes Fest.


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