Postulat Stefan Marti

"Das Kapital retten und die Hallen kulturell nutzen 

Stellungnahme des Stadtrats

Mit seinem Postulat vom 11. Juni 2014 lädt Grossstadtrat Stefan Marti den Stadtrat ein, eine Vorlage für ein Gesamtnutzungskonzept für die Hallen und den Kammgarnhof auszuarbeiten. Der Vorstoss zielt damit in eine ähnliche Richtung wie das Postulat von Martin Egger und der Stadtrat ist froh, ihn in der gleichen Sitzung wie das vorangegangene Geschäft beantworten zu können. 

Der Stadtrat beantwortet die Forderungen wie folgt:

1.  Der Stadtrat wird eingeladen, eine Vorlage auszuarbeiten, die ein Gesamtnutzungskonzept Hallen/Kammgarnhof Kammgarn vorsieht (Kultur, Private, Verwaltung)? 

Der Stadtrat ist bereits auf mehreren Ebenen daran, Vorbereitungen für die Erarbeitung eines Gesamtnutzungskonzept zu treffen. Unter anderem wurden kürzlich auch die Ergebnisse aus der öffentlichen  Mitwirkungsveranstaltung vom 24. Mai zur künftigen Platzgestaltung ausgewertet und die nächsten Schritte definiert, die den Aspekt der Erdgeschossnutzung der Kammgarnliegenschaft an der Klosterstrasse betreffen.

Die für den Stadtrat massgeblichen Eckwerte für eine Neunutzung der Hallen hat Ihnen bereits Thomas Feurer im Rahmen der Beantwortung des Postulats Egger erläutert.

Zuständig für das Erarbeiten der neuen Nutzungsvarianten ist der Stadtrat. Sind Kredite erforderlich, welche die Zuständigkeit des Stadtrates überschreiten, kommt der Grosse Stadtrat zum Zug.

Der Zeitplan für das Vorgehen in den nächsten Monaten wurde ihnen ebenfalls schon erläutert. Er wird mit einem Vorgehenskonzept bis Frühjahr 2015 - wenn die Infrastruktur für potenzielle Folgenutzer problemloser besichtigt werden kann - veranschlagt.

2.  Dabei soll mindestens ein Stockwerk der jetzigen Hallen der Kunst und Kultur im weiteren Sinne erhalten bleiben. Es soll auch versucht werden, das Werk 'Das Kapital' von Joseph Beuys für Schaffhausen zu retten. 

Die Stadt steht in der Verantwortung für eine positive Entwicklung der Kammgarn. Der Stadtrat teilt darum die Auffassung des Postulanten, dass der gesamte Kammgarn-Komplex einer gemischten Nutzung – privat wie öffentlich – zugeführt werden soll. Dabei soll auch der Kultur Raum gegeben werden. Es wird eine Mischung aus kommerzieller Nutzung mit marktgerechten Mietpreisen und kreativer resp. kultureller Nutzung angestrebt. Für beide Nutzungsarten liegen bereits einige Interessensbekundungen vor. Vor allem die künftigen Nutzungsarten des Erdgeschosses sollten abgestimmt sein auf die Entwicklung des Aussenraums (Kammgarnplatz), dessen Aufenthaltsqualität attraktiviert werden soll. Da bietet sich der Stadt nun eine grosse Chance, indem die Nutzung der Hallen und die Neugestaltung des Platzes zeitlich zusammenlaufen.

In diesem Zusammenhang muss das Thema Parkierung bald angegangen werden. Es sollen in Zusammenarbeit mit der IWC neue Lösungen mit Kompensation in unmittelbarer Nähe gesucht werden. Die Stadtplanung ist daran, gemeinsam mit anderen Abteilungen der Stadtverwaltung die Grundsätze für die künftige Platzgestaltung und die Anbindung an die Uferpromenade der Rheinuferstrasse festzulegen.

Und nun noch einmal einige Worte zum 'Kapital' von Joseph Beuys. Auch wenn die künstlerische und kunsthistorische Bedeutung des Werks vom Stadtrat absolut anerkannt wird, liegt gerade in der Erhaltung des Kunstwerks am jetzigen Standort auch eine Krux im gesamten Nutzungskonzept. Der Stadtrat wäre aber unter bestimmten Rahmenbedingungen bereit, mit den Eigentümern des "Kapitals" Möglichkeiten auszuloten, welche die Erhaltung dieses wichtigen Werks vor Ort ermöglichen. Thomas Feurer hat bereits in der Antwort des Stadtrats auf das Postulat Egger auf diese Rahmenbedingungen hingewiesen, die vorwiegend von den Eigentümern abhängig sind. Zu beachten ist, dass das Werk über zwei Stockwerke installiert ist, was die generellen Nutzungsmöglichkeiten im 2. und 3. OG entsprechend erschwert. Ein Kunstwerk dieser Grösse und Bedeutung bedingt nach heutigen Standards einen klimatisierten Raum, eine intensive Überwachung und hohe Versicherungsaufwendungen. Ausserdem sollte das Werk, will man es der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, in ein Umfeld eingebettet sein, in dem es zur Geltung kommt, was die umliegenden Nutzungsarten ebenfalls einschränkt. Gemäss aktuellem Wissenstand tendieren die Eigentümer des Werks zur Zeit klar auf eine Verlegung, da die nun dem Kontext der Sammlung für Neue Kunst entzogene Installation ziemlich isoliert ist. Sie haben sich so geäussert, dass sie sich wieder eine passende Umgebung für das Werk, sprich Kunstwerke ähnlicher Art wie das Kapital wünschen. 

3.  Das Erdgeschoss soll möglichst einer öffentlichen Nutzung (z.B. Kunsthandwerk, Werkstätten) mit Ausrichtung auf den Kammgarnhof zugeführt werden.

Wie bereits erwähnt entspricht diese Forderung den Vorstellungen des Stadtrats. Ein Hauptproblem für ein Nutzungskonzept liegt jedoch darin, dass das gesamte Gebäude nicht genügend erschlossen ist. Momentan befinden sich im Erdgeschoss lediglich Lagerräume, die Signalisationsabteilung der Verwaltungspolizei sowie Parkierungsanlagen von Polizei und Feuerwehr, die nicht beheizbar sind. Es fehlen überdies Leitungen und sanitäre Anlagen. In einem ersten Schritt muss für eine Neunutzung nach Ersatzstandorten für die jetzigen Nutzer des Erdgeschosses des Westflügels gesucht werden. 

Für die oberen Stockwerke der Hallen muss überprüft werden, für welche Nutzung die Räumlichkeiten überhaupt geeignet sind. Es ist kaum vorstellbar, die weitläufigen Hallen beliebig zu separieren. Auch die beiden nur kopfseitig bestehenden Treppenhäuser schränken die Nutzungsmöglichkeiten ein. Der Einbau von zusätzlichen vertikalen Treppenerschliessungen sowie von Steigschächten für sanitäre und elektrische Leitungen würde ausserdem zu sehr hohen Folgekosten und einer teilweisen Zerstörung des einmaligen Fabrikambientes führen. Der Stadtrat steht deshalb im Kontakt mit Spezialisten, die in Zürich oder Winterthur schon ähnliche Nachfolgenutzungen für Industriegebäude begleitet haben. Vorgesehen sind eine sorgfältige Nutzungsanalyse und ein Entwicklungsprozess, welcher auf die Arealentwicklung abgestimmt sein muss. Dieser soll durch eine externe Person mit entsprechender Erfahrung geführt werden, denn die Stadtverwaltung verfügt weder über das nötige Know-How noch üder die nötigen Ressourcen dafür. Über diesen Prozess wird dem Grossen Stadtrat zu gegebener Zeit Bericht erstattet.

Der Stadtrat ist also bereit, das Postulat analog dem Vorstoss von Martin Egger entgegen zu nehmen.

Die aktuelle Abänderung des Postulats, auf eine Nutzungsreservierung von über 1/3 der Gesamtfläche, das wären über 2‘500 qm für Kunst und Kultur, kann der Stadtrat nicht mittragen. Das wäre eine zu grosse Einschränkung der künftigen Nutzung. Wenn Sie verlangen, dass ein Teil der Hallen auch künftig für kulturelle Nutzungen zur Verfügung stehen soll, könnten wir uns einverstanden erklären.

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