Hirsch gebraucht, ab Platz zu haben

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Schaffhauser Nachrichten vom 19.02.2015

Grosser Medienaufmarsch gestern am Munotgraben: Erstmals wurde ein Schaffhauser Platzhirsch umgetauft.

Munot- und Hirschwächter Christian Beck übergab Stadtpräsident Peter Neukomm an der gestrigen Hirschtaufe noch ein früher abgeworfenes Geweih des aktuellen Platzhirsches.

 

 

VON ROBIN BLANCK

Der Medienaufmarsch am Hirschgraben ist gestern um zehn Uhr mindestens so gross wie damals, als Peter Neukomm ins Stadtpräsidium gewählt wurde. Das staatliche Radio hatte sogar einen Beitrag über die Hirschtaufe für die Schweiz-Nachrichten bestellt. Der eigentliche Hauptdarsteller des gestrigen Anlasses beobachtet die Gruppe auf der anderen Seite des Munotgrabens gelassen auf dem Boden sitzend: Der Hirsch hört vielleicht sogar die drei musikalischen Einlagen der Jagdhornbläser Urs Meier, Beat Schori und Werner Fringer, aber versteht aber sicher nicht, was Stadtpräsident Peter Neukomm zur Hirschtaufe sagt. «Eigentlich hatten wir nichts geplant, doch der Druck der Öffentlichkeit und die vielen Nachfragen der Medien haben dann dazu geführt, dass wir uns umentschieden haben», erklärt Neukomm der Journalistenschar. Der Hirsch – jetzt also Peter – ahnt weder etwas von seiner neuen nationalen Bekanntheit, noch nimmt er wahr, dass er Historisches erlebt: Seit es 1980 zur Tradition geworden ist, den Munothirsch nach dem amtierenden Stadtpräsidenten zu benennen, wurde das männliche Leittier jeweils nach einer Neubesetzung des Amtes ersetzt, diesmal aber wählte man den pragmatischen Weg und taufte Thomas kurzerhand zu Peter um – Recycling nennt man das.

Im Nachgang der Wahl von Peter Neukomm war es «in der Bevölkerung zu Unruhe» gekommen, wie André Moritz sagt, der für den kurzfristig ausgefallenen Walter Vogelsanger durch die Zeremonie führt: Es wurde befürchtet, dass Platzhirsch Thomas ein Abgang per Blattschuss beschert werde, was für zahlreiche Anrufe besorgter Bürger sorgte. Eine solche Lösung wäre gemäss Munot- und Hirschwächter Christian Beck nicht zur Debatte gestanden, vielmehr hätte das Tier sein Altenteil in der Abgeschiedenheit eines Wildgeheges verbringen dürfen. Aber von Alter kann bei Thomas respektive Peter eben nicht die Rede sein: Der Damhirschbulle vollendet am 18. Juni 2015 erst sein 9. Altersjahr – und das bei einer Lebenserwartung von bis zu 25 Jahren! Moritz zeigt sich zudem mit der Leistung des Hirsches zufrieden und spricht von einem «rüstigen und potenten Hirsch mit vielen Nachkommen». So habe man beschlossen, die «einfachste Variante» zu wählen und sich für die Umtaufe entschieden, notabene rückwirkend auf 1. Januar 2015. Für den Namensgeber Peter Neukomm bringt das mediale Interesse auch eine weitergehende Erkenntnis: «Wenn die Hirsch-Frage die Leute so bewegt, zeigt das auch, wie gut es uns doch eigentlich geht.» Weil ein Hirsch ja kein Schiff ist, kann man ihm auch keine Flasche Champagner an die Flanke schlagen. Die Taufgemeinde verzichtet also darauf und leert die bereitstehenden Weissweinflaschen auf konventionelle und tierschutzkonforme Weise. Mit dabei ist übrigens auch Ursula Neukomm, Gattin des Stadtpräsidenten, und das nicht zuletzt aus beruflichen Gründen: Auf ihren Stadtführungen informiert sie die Teilnehmer zum Teil auch über den Munot und die Hirschkolonie, «ich kann an dieser Taufe deshalb auch gleich noch etwas lernen», sagt sie. Auf den Stadtführungen erwähnt sie übrigens weiterhin ganz bescheiden, dass der Hirsch den Namen des Stadtpräsidenten trage – mehr nicht. Dem Hirsch, der sowieso nicht auf einen bestimmten Namen hört, war das Ganze wie gesagt Hans was Heiri.

Sanierung Kantonsarchäologie am Inhalt der Undurft interessiert

Die Hirschtaufe nahm Baureferent Raphaël Rohner zum Anlass, zusammen mit Dölf Rütimann vom städtischen Hochbauamt vor Ort über die bevorstehende Sanierung der westlichen Flankenmauer zu informieren. Die Arbeiten umfassen zwei Bereiche: die Mauer selbst und die Undurft, den halbrunden Turm, der im Munotgraben steht.

Die Richtung Bachstrasse verlaufende Mauer wurde letztmals 1906 einer Sanierung unterzogen und weist fast auf der ganzen Länge Schäden auf: Die vor über 100 Jahren angebrachten Betonplatten sind nicht mehr dicht und lassen Wasser ins Mauerwerk eindringen, sodass weitere Risse entstehen. Die Abdeckung soll deshalb erneuert und die ausgewaschenen Wandpartien erneuert werden. Spannender dürfte die Sanierung der Undurft werden: Der auf dem Turm angebrachte Betondeckel wird zurückgebaut und der Inhalt – man geht von Bauschutt aus – entfernt. Weil nicht ausgeschlossen ist, dass man dabei auf historisch interessante Material stösst, wird dieser Teil der Sanierung von der Kantonsarchäologie begleitet. Bereits wurde damit begonnen, den obersten Teil des Mauerwerks vom Pflanzenbewuchs, Bäume und Ästen zu befreien. Einleitend hatte Stadtpräsident Peter Neukomm dargelegt, dass die Arbeiten mit total 1,2 Millionen Franken zwar teuer werden, die Stadt aber die historische Verpflichtung zum Erhalt des Bauwerks hat. 


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