Kriegsende gedenken - Frieden feiern

Foto: SN / Selwyn Hofmann

 

Ich begrüsse Sie im Namen der Stadt ganz herzlich in unserer Stadtkirche St. Johann zu diesem Gedenkanlass 70 Jahre Kriegsende, dessen Organisation der Kanton übernommen hat, wofür ich ihm im Namen des Stadtrats danke. Und es ist auch der richtige Ort, an dem wir heute zusammenkommen, fand doch hier am Abend des 8. Mai 1945 ein Gedenkgottesdienst zum Kriegsende statt, an dem rund 2‘500 Personen teilnahmen.

Wie es in der Einladung heisst, wollen wir heute - in Dankbarkeit gegenüber den damaligen Generationen - den Opfern des Krieges gedenken. Unsere Bevölkerung hat in der Kriegszeit eine grosse Last getragen, auf dem Land wie in der Stadt. Entbehrungen und Ängste waren über 5 Jahre und 9 Monate dauernd präsent. Für die Menschen in den Ländern um die Schweiz herum war das Leid natürlich noch um ein Vielfaches grösser. Wir haben daher allen Grund, dankbar zu sein, dass der Schrecken des totalen Krieges unseren Vorfahren erspart geblieben ist. Einen Eindruck davon, was es hiess, von Kriegshandlungen direkt betroffen zu sein, bekam die Schaffhauser Bevölkerung am 1. April 1944 zu spüren, als amerikanische Bomben 40 Tote, Zerstörung und menschliches Leid verursachten.

Miteinander gedenken wir heute feierlich dem Kriegsende von 1945. Der Schaffhauser Bevölkerung war es am 8. Mai 1945 nicht wirklich zum Feiern zu Mute. Im Gegensatz zu Paris und London herrschte hier kein Jubel vor, wohl aber Erleichterung, Freude und Dankbarkeit.

Heute sollten wir nicht nur das Kriegsende von 1945 begehen, sondern uns über die Tatsache freuen, dass die Mehrheit der Völker Europas ihre Lektion gelernt hat und seit 70 Jahren in Frieden miteinander lebt. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Nach über 50 Millionen Toten, dem grössten Sterben der Geschichte auf dem europäischen Kontinent, hiess die Devise „Nie mehr Krieg!“. Ausdruck davon waren unter anderem die Charta der Vereinten Nationen und die Neugestaltung der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit in Europa. Konflikte sollten nach rechtlich festgelegten Normen ohne Gewalt ausgetragen werden, ganz im Sinne der Erkenntnis von Mahatma Gandhi, der treffend festhielt: „Was man mit Gewalt gewinnt, kann man nur mit Gewalt behalten.“ Die europäischen Staaten wurden über eine wirtschaftliche Kooperation so stark zu einer Gemeinschaft im Dienste des Friedens verbunden, dass künftig Kriege zwischen ihnen nicht mehr möglich sein sollten. Und ihre Bemühungen waren erfolgreich: Nach Jahrhunderten, die geprägt waren von Kriegen, Unfreiheit und Nationalismus leben heute ehemalige Erzfeinde und über 500 Millionen Menschen auf dem europäischen Kontinent friedlich zusammen. Der europäische Integrationsprozess ist damit das weltweit grösste Friedensprojekt, das 2012 zu Recht den Friedensnobelpreis zugesprochen erhielt. Bei aller Unvollkommenheit und den momentanen Problemen bleibt die EU hoffentlich weiterhin ein Garant für Frieden, Freiheit und Demokratie. Davon profitiert auch unser Land.

Geschätzte Damen und Herren

In den letzten Tagen des Kriegs wurde Schaffhausen von einer Flüchtlingswelle überrollt. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene suchten in der sicheren Schweiz Zuflucht und wurden von der Bevölkerung mit offenen Armen empfangen“. So heisst es im Leitartikel der schaffhauser az vom 30. April 2015. Vom 21. bis 25. April 1945 wurden 5‘400 Flüchtlinge durch die Stadt Schaffhausen geschleust. Von diesen waren am 26. April noch 1‘550 in der Stadt. Sie mussten verköstigt und betreut werden. Der Massenandrang von Menschen aus aller Herren Länder stellte die Behörden vor grosse logistische Probleme.

Mein Grossvater war in dieser Zeit als Landjäger in Merishausen stationiert und hat mir als Kind zahlreiche Geschichten über seine Begegnungen mit Flüchtlingen während des Krieges erzählt. Er musste sie nach ihrem erfolgreichen Grenzübertritt jeweils übernehmen und in die Stadt begleiten. Meine Grossmutter sorgte in der Waschküche ihres Häuschens in Merishausen für die erste Betreuung der von der Flucht gezeichneten Menschen. Im Gegensatz zur offiziellen Schweiz, die sich mit der Rückschaffung von jüdischen Flüchtlingen nach Hitler-Deutschland alles andere als menschenfreundlich gab, zeigte sich ein grosser Teil unserer Bevölkerung hilfsbereit und grosszügig und dies, obwohl damals auch bei uns viele Menschen schmal durch mussten. Das verdient grosse Achtung.

Gleichzeitig frage ich mich aber, weshalb es heute noch möglich ist, dass monatelang tausende Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge vor den Toren Europas im Mittelmeer ertrinken müssen und die offizielle Politik in Europa und in der Schweiz dabei hilflos wirkt. Das macht mich traurig, genauso wie die Tatsache, dass das UNHCR Ende 2013 weltweit 51.2 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene zählte – eine seit dem Zweiten Weltkrieg nie erreichte Zahl. Ich bin der Meinung, dass wir heute auch an diese Menschen denken sollten. Sie haben unsere Solidarität verdient, über den heutigen Gedenkanlass hinaus.


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