Peter Möller (1958 - 2016), Grossstadtrat und Jugendstaatsanwalt

Trauerrede gehalten anlässlich der Abdankung in der Stadtkirche St. Johann vom 26.01.2016

Liebe Trauerfamilie, geschätzte Trauergemeinde

Mit Bestürzung haben wir alle vom Tod von Peter Möller Kenntnis nehmen müssen. Es ist mir ein Anliegen, im Namen der Stadt, aber auch in Vertretung der Sozialdemokratischen Partei und der SP-/Juso-Fraktion im Grossen Stadtrat Ihnen noch ein paar Gedanken zum Abschied von Peter Möller auf den Weg mit zu geben. Man hat mich dafür nicht lange bitten müssen. Warum?

Pit war ein langjähriger, sehr geschätzter Weggefährte von mir und zwar auf verschiedenen Ebenen. Unsere Wege haben sich immer wieder gekreuzt und dafür bleibe ich dankbar. Schon als junger Jurist habe ich Einiges von ihm profitieren können. 1989 hat er mich in seiner Funktion als Kanzleichef des Kantonsgerichts als Praktikanten eingestellt. Er war also auch mein erster Vorgesetzter und später ein lieber Gerichtsschreiberkollege. Danach landeten wir beide in der Strafverfolgung. Während es mich zum Erwachsenenstrafrecht zog, blieb Pit bis zum Schluss dem Jugendstrafrecht treu.

Dieses langjährige berufliche Engagement gibt bereits Einiges über Pit und sein Wesen preis. Er hat sich zeitlebens für Menschen interessiert und engagiert, die auf den Beistand und die Solidarität anderer angewiesen waren, weil sie zu den Schwächeren unserer Gemeinschaft gehörten. Schon in jungen Jahren hat er sich dem Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft, für den sozialen Ausgleich, für den Frieden und für den Schutz von Natur und Umwelt verschrieben. Zuerst hat er dabei seine politische Heimat bei der POCH, dann beim Grünen Bündnis und ab 2005 bei der SP gefunden. Als linker Politiker war sein Engagement für ihn keine blosse Überzeugungssache, sondern immer eine Herzensangelegenheit. Das hat man bei ihm immer gespürt.

1989 hat er den Sprung in den Grossen Stadtrat geschafft. Vier Jahre später kreuzten sich dort unsere Wege wieder. 

Weder in der Partei noch in der Fraktion hat er nach höheren Ämtern gestrebt. Es war ihm wohl als Basismitglied, das sich vor allem im städtischen Parlament nützlich machen wollte.

In der Fraktion blieb er über viele Jahre eine feste Stütze, besonders für die Jüngeren ein väterlicher Ratgeber, immer hilfsbereit und geduldig.

In der zweiten Hälfte der 90-er Jahre lebten Pit und ich mit unseren Familien als Nachbarn am Churfirstenweg im Emmersberg, in einem Quartier, dem er bis zum Schluss treu geblieben ist und für das er sich auch erfolgreich engagiert hat - einige Jahre sogar als Präsident des Quartiervereins.

Pit ist wegen seines ausgeglichenen, offenen Wesens und seiner Sachkompetenz im Grossen Stadtrat weit über die Parteigrenzen geschätzt worden. Das zeigte sich mit seiner Wahl in die GPK im Jahr 1997. 2009 kehrte er in diese Kommission zurück und seit 2013 präsidierte er sie. Bei der Leitung dieses parlamentarischen Aufsichtsgremiums kam ihm eine wichtige vermittelnde und ausgleichende Funktion zu, die er hervorragend erfüllte.

Pit war nie ein Mann der lauten Töne. Er war auch keiner, der sich in den Vordergrund drängte und viel redete. Und es brauchte Einiges, um ihn in Rage zu bringen. Wenn ihm das Gezänke im Ratssaal wieder einmal zu viel wurde, brummelte er etwas in seinen Bart, räusperte sich und drehte sich zur Wand. Wenn er aber zum Rednerpult schritt, hatte er immer etwas zu sagen und meistens hörte ihm der Rest des Rates aufmerksam zu. Oftmals war er es, der auch in den ausweglosesten Situationen den Überblick behielt und mit seinem erfrischend trockenen Humor den gordischen Knoten durchschnitt, insbesondere, wenn sich seine Juristenkolleginnen und –kollegen wieder einmal in die Haare geraten waren.

Pit war kein Kind von Traurigkeit. Man kannte ihn als einen Genussmenschen, der immer auch für den geselligen Teil nach der Politik zu haben war. Dabei zeigte er keinerlei Berührungsängste zu Andersdenkenden.

Sein langjähriges politisches Wirken im Grossen Stadtrat, in dessen GPK und in 43 Spezialkommissionen war immer lösungsorientiert.

Er hat als Parlamentarier insgesamt 23 Vorstösse eingereicht. Das sind in seinen 27 Jahren im Grossen Stadtrat zwar nicht extrem viele. Einige von ihnen waren aber sehr bedeutend und führten in der städtischen Politik zu wichtigen Weichenstellungen. Auch das war bezeichnend für ihn, denn Schaumschlägerei war ihm genauso fremd wie persönliche Angriffe unter der Gürtellinie. Er hielt Fairness immer hoch.

Peter Möller hat in den vergangenen Jahrzehnten für diese Stadt und ihre Menschen extrem viel geleistet. Sein selbstloses, vorbildliches Engagement für unser Gemeinwesen verdient höchste Anerkennung von uns allen. Jetzt ist er völlig unerwartet mitten aus dem Leben, aus unserem Kreis und aus dem Kreis seiner schwer geprüften Angehörigen gerissen worden. Er hinterlässt eine grosse Lücke. Das macht uns alle sprachlos und traurig.

Pit wir werden Dich vermissen und immer in bester Erinnerung behalten!
Der Trauerfamilie gilt unser aufrichtiges Beileid und weiterhin unsere freundschaftliche Verbundenheit.


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