Unsere Schweiz - Urteile und Vorurteile

Begrüssung bei der Buch-Präsentation „Unsere Schweiz – Urteile und Vorurteile“ vom 03.06.2016 im Schloss Charlottenfels

Sehr geehrte Frau Regierungsrätin Hafner, liebe Ulla,
sehr geehrter Herr Generalkonsul,
liebe Coordinamento Italiani Sciaffusa,
sehr geehrte Damen und Herren

Besten Dank für die freundliche Einladung zur Buchvernissage, der ich gerne gefolgt bin. Ich freue mich, Ihnen zu diesem Anlass die Grüsse und den Dank der Stadtregierung überbringen zu können.
Ich bin überzeugt, dass es sich gelohnt hat, dieses Buch zu verlegen. Auch wenn es kein Bestseller werden wird, hat es doch einen hohen Wert. Einen Wert der nicht in Geld gemessen werden kann. Es geht um die Geschichte der Immigration in die Schweiz, um persönliche Schicksale von Menschen, die zum Teil nachdenklich stimmen. Im Hinblick auf die aktuellen Immigrationsdiskussionen kann uns dieses Buch ein paar wichtige Erkenntnisse mitgeben. Ich komme am Schluss nochmals darauf zurück.
Zwischen Italien und der Schweiz gibt es Unterschiede, aber wir haben doch auch einiges gemeinsam. In der Beilage „Bella Italia“ des Tages Anzeigers vom 24.05.2016 war zu lesen, dass es eben nicht nur die gemeinsame Grenze und Sprache ist, sondern auch eine kulturelle und religiöse Wesensverwandt­schaft, die uns mit Italien verbinde.
Das hat mit dazu geführt, dass heute 580‘995 Italienerinnen und Italiener in der Schweiz leben. In der Stadt Schaffhausen waren es per Ende April 2016 1‘228, was 3.4 % der Bevölkerung entspricht. Umgekehrt waren per Ende 2014 51‘335 Schweizer Bürger in Italien ansässig. Täglich kommen über 65‘000 Grenzgänger aus Italien in der Schweiz zur Arbeit. Und Italien hält mit dem dritten Rang hinter Deutschland und Frankreich weiterhin einen Podestplatz bei den beliebtesten touristischen Zielen der Schweizerinnen und Schweizer.
Schade ist, dass nur knapp die Hälfte der bei uns lebenden Italienerinnen und Italiener das Schweizer Bürgerrecht angenommen hat. Als Stadtpräsident führe ich regelmässig Einbürgerungsgespräche und entscheide mit über Einbürgerungsgesuche. Ich finde das sehr spannend. Man lernt - wie in diesem Buch - viele zum Teil berührende Schicksale kennen. Es sind auch immer wieder einmal Italienerinnen und Italiener darunter. Aber leider eher selten. Obwohl heute die Doppelbürgerschaft mit Italien möglich wäre, verzichten viele Immigranten der ersten Generation darauf, den Schweizer Pass zu erlangen, auch wenn sie nie mehr zurück nach Italien gehen werden. In einer der Geschichten des Buches heisst es: „Ich habe die Einbürgerung nie angestrebt, weil ich meine Wurzeln nicht verleugnen wollte.“ Trotzdem meint der Erzähler, er fände es nur gerecht, wenn die Staatsbürgerschaft automatisch und gratis an alle erteilt würde, weil die italienischen Immigranten lange für den Wohlstand dieses Landes gearbeitet hätten. Hier schimmert ein Widerspruch durch, der nicht aufzulösen ist.
Viele Nachkommen der ersten Generation sind sich im Zusammenhang mit der Durchsetzungsinitiative bewusst geworden, was es mit dieser Staatsbürgerschaft auf sich hat. Ich würde mich freuen, wenn diese Abstimmung – die zum Glück auch ganz viele Secondos wachgerüttelt hat - dazu führt, dass sich wieder vermehrt auch Italienerinnen und Italiener einbürgern lassen. Sie gehören heute einfach dazu. Sie sind ein Teil von unserer Schweiz geworden.
Zudem finde ich es sehr wichtig, dass Ausländerinnen und Ausländer, die schon länger hier leben und Steuern zahlen, partizipieren und mitentscheiden können. Erst damit wird die Integration vollständig. Da das Ausländerstimmrecht für kommunale Angelegenheiten bei uns leider politisch chancenlos ist, geht es nur über die Einbürgerung. Und für mich ist klar: man kann auch Teil einer Gesellschaft werden, ohne seine Wurzeln in einer anderen Gemeinschaft zu verleugnen. Dafür sorgt ja gerade auch der Coordinamento Italiani Sciaffusia und dafür gebührt ihm ein herzlicher Dank. Diese Wurzeln – und das gilt nicht nur für Italienerinnen und Italiener - sind doch auch für uns Schweizer sehr bereichernd. Mit dem Buch „Unsere Schweiz – Urteile und Vorurteile“ wird ein Beitrag zur Pflege dieser Wurzeln geleistet.
Im Buch wird auch uns Schweizern ein Spiegel hingehalten. Und es sind nicht immer nur positive Spiegelbilder, die wir zu sehen bekommen. Das Buch leistet einen wichtigen Beitrag zur Immigrationsgeschichte. Es soll uns für die Bewältigung der anspruchsvollen Herausforderungen der Zukunft sensibilisieren und es kann uns etwas mit auf den Weg geben: Am wichtigsten sind Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit. Diese universellen Werte gelten auch für Menschen, die als Fremde zu uns kommen. Davon sollten wir uns auch in Zukunft leiten lassen und uns mutig und klar gegen alle Arten von Fremdenfeindlichkeit stemmen. Das Buch „unsere Schweiz – Urteile und Vorurteile“ ist Mahnmal dafür.

Deshalb danke ich an dieser Stelle – auch im Namen der Stadt Schaffhausen - allen Beteiligten ganz herzlich für Ihr wertvolles Engagement, damit das Buch überhaupt erst möglich geworden ist.


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