Stellungnahme des Stadtrats vom 06.06.2017 im Grossen Stadtrat zur Vorlage SH POWER - Erhöhung der Beteiligung an der Etawatt AG

Die von SH POWER initiierte Gründung der Etawatt 1997 war von grossem Weitblick geprägt. Die Wertschöpfung passiert nämlich künftig vor allem über Energiedienstleistungen und Contracting und nicht mehr über den reinen Energieverkauf. Das haben alle wesentlichen Martkplayer erkannt und in diesem Bereichen aufgerüstet und investiert. Vor allem die grossen wie z.B. BKW, Alpiq oder Energie 360 Grad. Sie sind sehr aggressiv und weit über ihr Versorgungsgebiet hinaus auf Acquisitionstour, auch im Kanton SH. Die BKW hat seit 2013 über 40 Unternehmen im Bereich von Energiedienstleistungen übernommen. Bereits werden wir bei Projekten, für die wir die Etawatt AG als Contractor vorgesehen haben, mit Offerten von ausserkantonalen Unternehmen eingedeckt. Diese hätten viel Freude daran, wenn die Aktienkapitalerhöhung der Etawatt AG, welche diese für eine Fortsetzung ihres erfolgreichen Geschäfts benötigt, von der städtischen Politik nicht gewährt würde.

Die Etawatt AG ist gesund, ihr Anlagepark mit 45 Contracting-Anlagen und 52 Photovoltaikanlagen ist korrekt bewertet. Das Unternehmen ist erfolgreich unterwegs. Sie ist eine anerkannte Know How-Trägerin, welche sich in einem hart umkämpften Markt seit Jahren bewährt. Wenn ich von Markt spreche, meine ich die Region SH/TG. Das Unternehmen wirft eine erfreuliche Rendite ab, auch für die Stadt. Seit der Gründung betrug die Gewinnausschüttung insgesamt über 1 Mio. Franken, was einer durchschnittlichen Dividende von 3.5% entspricht. Zudem bezahlte sie seit ihrer Gründung über ½ Mio. Steuern. Der innere Wert der Aktie ist heute um 40% höher als bei der Gründung. Dank ihrer privatrechtlichen Rechtsform kann sie wesentlich schneller und flexibler reagieren und Projekte verwirklichen als SH POWER.

Diese Erfolgsgeschichte soll fortgesetzt werden, ohne Übermut, mit vernünftig kalkuliertem Risiko und in einer geografisch begrenzten Region SH/TG.

Die Chancen dazu stehen gut: Denn aufgrund der künftigen strengeren Bauvorschriften und aus dem in der Vernehmlassung befindlichen Energierichtplan der Stadt ergeben sich erhebliche Potenziale in der Wärme- und Kälteversorgung, auch für Industrie und Gewerbe. Hier geht es auch um sinnvolle Wärmeverbünde in dicht besiedeltem Gebiet wie der Altstadt. Diese Chancen sollten auch aus Sicht der Stadt unbedingt gepackt werden, gerade weil damit meistens auch interessante Geschäftsmöglichkeiten für SH POWER verbunden sind.

Gemäss vorsichtigem Finanzplan soll die Etawatt 2017 bis 2015 ein Investitionsvolumen von 54 Mio. stemmen und einen Cashflow von 32 Mio. ausweisen. Die Finanzierung dieses Wachstums ist aber in Frage gestellt, wenn sich die Etawatt AG nicht mit mehr Eigenkapital ausstatten kann. Im Hinblick auf die Finanzierung neuer Projekte braucht sie mehr Fremdkapital, um erfolgsversprechende Projekte stemmen zu können. Dieses wird sie aber von den Banken nur mit einem dickeren Eigenkapitalpolster erhalten

Die bedingte Aktienkapitalerhöhung durch die Stadt ist im VR und in der Generalversammlung der Etawatt AG einstimmig bewilligt worden. Auch alle privaten Anteilseigner erachten eine Aufstockung des städtischen Anteils als sinnvoll und sie haben auch die Möglichkeit zusätzliche Aktien zu erwerben, um ihren Stimmrechtsanteil zu wahren. Es wurde also nicht eine Anteilserhöhung durch Private verhindert. Im Gegenteil: Im Hinblick auf die strategische Bedeutung der Etawatt AG für SH POWER macht auch die Erhöhung der Beteiligung durchaus Sinn.

Weil das Geschäft der Etawatt AG aus den vorerwähnten Gründen für uns strategische Bedeutung hat, haben wir die Eignerstrategie angepasst und uns dafür entschieden, eine Erhöhung unserer Beteiligung auf 77.46% zu beantragen. Wenn ich von wir spreche meine ich die Verwaltungskommission der Städtischen Werke und der Stadtrat. Dies entspricht den in den Anträgen aufgeführten 1'295 Aktien zu einem Preis von insgesamt 1.8 Mio. Franken. Aus strategischer Sicht möchten wir zur Zeit keine neuen Grossaktionäre in der Etawatt AG.

Die Aktienkapitalerhöhung von SH POWER wird über die Investitionsrechnung der Gas- und Stromversorgung finanziert. Mit dem Geld sowie dem neuen Bezug von Fremdkapital im Verhältnis 1 : 2 wird es möglich sein, Projekte im Bereich Energieeffizienz zu erstellen. Diese Projekte dienen nicht der Erhöhung der Eigenversorgung aus Erneuerbaren, sondern der Erhöhung und Sicherstellung des Absatzes von Strom und Gas. Deshalb können sie nicht über den 25-Mio. Rahmenkredit finanziert werden. Die Höhe der AK-Aufstockung um Fr. 1.8 Mio. ergibt sich aus dem Umfang der geplanten Projekte.

Was wäre die Konsequenz einer Ablehnung der Kapitalerhöhung?

Wenn die Etawatt AG das Potenzial nicht nutzen kann, werden es künftig ausserkantonale Energiedienstleister sein, die Projekte anpacken. Dabei ist dann die Berücksichtigung des hiesigen Gewerbes nicht mehr garantiert. Die Etawatt AG, an der ein nicht unwesentlicher Teil des regionalen Gewerbes beteiligt ist, berücksichtigt konsequent städtische und regionale Anbieter, damit die Wertschöpfung hier bleibt. Das sichert Steuersubstrat sowie Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Zudem würde die Chance vertan, SH POWER über langfristige Energielieferungsverträge und -dienstleistungsverträge zu stärken. Die Etawatt AG ist ein strategisches Kundenbindungsinstrument für SH POWER.

Deshalb ist die Kapitalerhöhung der Etawatt AG durch die Stadt nicht nur ein Bekenntnis zu den Städtischen Werken, sondern auch zum regionalen Gewerbe. Ich ersuche Sie auch im Namen der VK der Städtischen Werke und des Stadtrats um Eintreten auf die Vorlage und um Zustimmung der Beteiligungserhöhung.

Wir sollten die sich bietenden Chancen packen:

  1. Chance für SH POWER, über das Contractinggeschäft der Etawatt AG ihr Kerngeschäft - den Energieverkauf - im anspruchsvollen Marktumfeld zu stärken.

  2. Chance für Etawatt AG und damit für uns als Mehrheitseignerin, die erfolgreiche Geschäftstätigkeit für die Zukunft zu sichern.

Zum Schluss nehme ich noch zum Vorwurf der fehlenden Transparenz Stellung: Zuerst möchte ich richtig stellen, dass niemand, weder bei der Etawatt AG, bei SH POWER noch bei der Stadt ein Interesse hat, irgendetwas zu verheimlichen. Dass die zur Verfügung gestellten Unterlagen als zu wenig aussagekräftig wahrgenommen wurden, nehmen wir sehr ernst. Wie äussert sich das?

  1. Haben wir im Rahmen der Beratungen in der GPK alles unternommen, um den GPK-Mitgliedern einen möglichst vollständigen Einblick in die relevanten Geschäftstätigkeiten zu liefern. Gewünscht Unterlagen wurden immer sofort geliefert.

  2. Für die anstehende Erneuerung der Eigentümerstrategie von SH POWER werden wir die Inputs aus dieser Debatte einfliessen lassen, wenn es darum gehen wird, die Instrumente des Parlaments zum Monitoring von SH POWER im Sinne einer besseren Governance zu optimieren. Wir nehmen das auch als Chance wahr, das Vertrauen der Öffentlichkeit in unsere städtischen Werke, zu denen auch die Etawatt AG gehört, für die Zukunft weiter zu stärken.

News
15.01.18
Stellungnahme zum Sicherheitszentrum im Kantonsrat
Ja aus der Sicht des ehemaligen Strafverfolgers und aus der Sicht der Stadt zum Neubau Sicherheitszentrum im Herblingertal
10.01.18
Parteiübergreifend geschätzt und respektiert
Gratulation des Stadtrats für den neuen Grossstadtratspräsidenten Rainer Schmidig an der Wahlfeier vom 09.01.2018
04.01.18
Eine lebendige Stadt ist nicht totenstill
Jahresinterview mit den Schaffhauser Nachrichten vom 04.01.2018
12.12.17
Sitzungsgelder gehören nicht in die Verfassung
Stellungnahme des Stadtrats zur Motion "Kommissionsentschädigungen und Sitzungsgelder - das letzte Wort hat das Volk" vom 12.12.2017 im Grossen Stadtrat
11.12.17
Höhepunkt einer erfolgreichen Parlamentskarriere
Kantonsratspräsidentenfeier im Park Casino für Walter Hotz vom 11.12.2017
Agenda

    Keine Einträge gefunden