Der Elektromobilität gehört die Zukunft

Stadtökologe Urs Capaul und Stadtpräsident Peter Neukomm lassen sich auf dem Herrenacker die neusten Elektromobile zeigen (Bild: Selwin Hofmann; SN)

 

Begrüssung zur Eröffnung der Elektromobilitätsausstellung WAVE auf dem Herrenacker

Ich freue mich, Sie als Stadtpräsident und als Werkreferent, der auch für die Energie politisch zuständig ist, hier auf dem grössten Platz unserer schönen, mittelalterlichen Altstadt begrüssen zu können.

Lange Jahre fristete die private Elektromobilität ein Nischendasein. Zwar wurde der Elektromotor lange vor dem Diesel- oder Benzinmotor entwickelt. Vermutlich zwischen 1832 und 1839 produzierte der schottische Erfinder Robert Anderson in Aberdeen das erste Elektrofahrzeug. Die Verbrennungsmotoren kamen viel später auf und setzten sich erst ab 1900 durch.

Die Entwicklung bei den öffentlichen Fahrzeugen erfolgte in der Schweiz glücklicherweise anders: Eisenbahn, Strassenbahn oder Trolleybus setzten bereits früh auf den Elektroantrieb.

Der Umschwung beim Individualverkehr setzte zuerst bei den Elektrovelos ein. Die Idee eines elektrisch unterstützten Veloantriebs wurde 1990 an der Tour de Sol präsentiert. Ab 1993 verschaffte Yamaha dem E-Bike dank der PAS-Steuerung für den Durchbruch. Diese (PAS = Power Assist System) wird heute bei fast allen E-Bikes verwendet. Aus einer spleenigen Tour de Sol-Idee ist somit ein beachtetes und weltweit verbreitetes Produkt entstanden.

Ab Mitte 90er Jahre unterstützte die Stadt Schaffhausen die Anschaffung von E-Bikes mit einem finanziellen Förderbeitrag als Kaufanreiz. Diese Förderung wurde eingestellt, nachdem sich die E-Bikes auf dem Markt durchgesetzt hatten. Im topographisch anspruchsvollen Schaffhauser Stadtgelände machen E-Bikes durchaus Sinn und können den Langsamverkehr stärken.

Bei den Autos setzte ebenfalls in den 1990er Jahren eine Renaissance des Elektromotors ein. Es gab dafür vor allem drei Gründe.

  1. Der Golfkrieg und die damit ausgelöste Ölkrise in den 1990er Jahren.
  2. Die Klimaerwärmung als Folge der fossilen Energieträger und die Nachfrage nach CO2-freien Antrieben.
  3. Die starke Luftverschmutzung, welche anfang 1990er Jahre in Kalifornien zu einer fortschrittlichen Gesetzgebung führte, welche sukzessiv emissionsfreie Fahrzeuge verlangte.

Die Elektrifizierung der Automobile führte zu zahlreichen Innovationen wie 1992 zum schweizerischen Horlacher Sport I, der sich am Markt aber nicht durchsetzen konnte.

Erst 1997, als der Verkauf des Toyota Prius, dem ersten Grossserienmodell mit eingebautem Hybridantrieb startete und das Problem der knappen Batterie-Speicherkapazitäten umgangen werden konnte, kam es zum ersten Markterfolg: In der Stadt eher Elektromotorbetrieb, Überland per Verbrennungsmotor. Mit diesem Konzept konnte der Energieverbrauch insgesamt optimiert werden, ohne dass das Gewicht der Fahrzeuge massiv erhöht werden musste. Dieses Konzept ist bis heute erfolgreich und es wird das wohl auch noch einige Jahre als Übergangstechnologie bleiben.

Einen Namen darf man im Zusammenhang mit der Elektromobilität nicht vergessen: PayPal-Mitbegründer Elon Musk. Ein Visionär, der schon früh die Bedeutung der Elektromobilität erkannt hat. 2008 gab der Tesla-CEO bekannt, dass Tesla nur Elektroautos entwickeln werde, und er kündigte die Limousine Tesla Model S an. Nur 9 Monate später wurde der erste Prototyp gezeigt. Und schon nach 5 Jahren war das Model die mit Abstand meistverkaufte Luxuslimousine in den USA. Elon Tusk ist stark mitverantwortlich, dass die Batterien (Gewichte, Speicherdichte, Fahrkapazitäten) weiter entwickelt werden. Er hat erkannt, dass die Akkus nicht nur als Stromspeicher für Elektrofahrzeuge, sondern auch zur Speicherung von dezentral produziertem Solarstrom dienen können.

In einer Studie über die Zukunft der Elektromobilität kam der Bundesrat im Mai 2015 zum Schluss, dass die Elektroautos innerhalb von etwa 15 Jahren, also bis 2030 einen Marktanteil von rund 30 % erreichen dürften. Zur Einhaltung der Klimaziele gemäss Pariser Abkommen müsste der Marktanteil der Elektroautos indessen eher bei 50 % liegen, wie die KlimaAllianz Schweiz errechnet hatte.

Der Stadtrat hat sich für die laufende Legislatur die Förderung der Elektromobilität auf die Fahne geschrieben. Dies weil er überzeugt ist, dass der Elektromobilität die Zukunft gehört. Einen gewichtigen Beitrag soll zukünftig der öffentliche Busverkehr liefern; dieser soll in Schaffhausen bis 2027 auf Elektrobusse mit einem Schnellladesystem (OCC Opportunity Charging Conductive) umgestellt werden. Der Elektrobus ist umweltfreundlich, bietet einen hohen Fahrkomfort, macht wenig Lärm und ist in der Gesamtbilanz bereits nach fünf Betriebsjahren günstiger als der Dieselbus.

Rückblickend kann man also feststellen: Die Elektromobilität ist eine Geschichte von unkonventionellen Innovationen, von herausragenden und weitsichtigen Persönlichkeiten und von manchmal auch von spleenigen Ideen. Solche zukunftsfähigen Projekte und Menschen mit Visionen braucht es, damit wir uns wirtschaftlich, gesellschaftlich und ökologisch weiterentwickeln und nicht stehen bleiben und nur reparieren.

Heute macht WAVE Zwischenhalt hier bei uns in Schaffhausen. Wie schon die Tour de Sol anfang der 90er Jahre basiert WAVE auf dem Engagement vieler engagierter Idealisten. Diesen, zu denen wohl die Organisatoren der WAVE auch gehören, dankt der Stadtrat. Sie alle helfen, die Elektromobilität salonfähig zu machen und weiter voranzutreiben. Sie leisten damit einen Beitrag zum Ressourcen- und Lärmschutz sowie zur Luftreinhaltung. Und wenn der Strom aus erneuerbaren Quellen bezogen wird, liefert die Elektromobilität auch einen gewichtigen Beitrag an den Klimaschutz. Deshalb ist der Strom, der heute auf dem Herrenacker den WAVE- und den Ausstellungsfahrzeugen zur Verfügung steht, qualitativ hochwertiger Nature made star-Strom aus unserem Rheinkraftwerk.

Elektromobilität stellt also nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz dar, sie soll auch Spass machen, dann wird sie noch schneller zum Trend.

Im Namen des Stadtrates wünsche ich allen WAVE-Teilnehmenden, den Ausstellern von Elektrofahrzeugen und allen Besucherinnen und Besuchern einen kurzweiligen und angenehmen Zwischenhalt. Geniessen Sie die Stunden in Schaffhausen und kommen Sie bald wieder zu uns zurück. Sie werden es sicher nicht bereuen, denn Schaffhausen hat viel zu bieten!


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