In memoriam von Alt-Stadtpräsident Felix Schwank

Würdigung anlässlich der Trauerfeier vom 17.08.2017 im Schaffhauser Münster

Liebe Trauerfamilie, geschätzte Trauergemeinde

Dem Wunsch der Trauerfamilie entsprechend werde ich zum Abschied von Alt-Stadtpräsident Dr. Felix Schwank im Namen der Stadt Schaffhausen ein paar Gedanken an Sie zu richten und in Dankbarkeit an den Verstorbenen erinnern. Ich gehe davon aus, dass er das geschätzt hätte.

Mit dem Tod von Felix Schwank verliert Schaffhausen eine markante Persönlichkeit, welche die Stadt über viele Jahre geprägt und mitgestaltet hat. Historiker Bernhard Ott hat ihn im Nachruf in der schaffhauser az vom 10.08. treffend als «liberalen Grandseigneur mit Markenzeichen Fliege» beschrieben.

Felix Schwank war ein Mann klarer Meinungen und fester Grundsätze. Sein Sohn Othmar spricht in seinem Text in den Schaffhauser Nachrichten vom letzten Samstag von einer Abneigung seines Vaters gegenüber halben Sachen.

Das kommt zum Beispiel in einem Interview zum Ausdruck, welches der junge Peter Hartmeier am 12. April 1969 unter dem Titel «Was meinen Sie dazu, Herr Stadtpräsident?» in den SN publiziert hat. Auf die Frage, was Felix Schwank von der Senkung des Wahlalters von 20 auf 18 Jahre halte, meinte dieser: «Ich finde, ein Staatsbürger sollte zuerst einmal z.B. die Kantonsschule abgeschlossen und die RS absolviert haben.» Und weiter: «Man tritt erst in die Politik ein, wenn man auf anderen Gebieten etwas geleistet hat.»

Nach 32 Jahren Walther Bringolf wurde Stadtrat Felix Schwank 1968 mit dem Wahlslogan «Bereit zur Verantwortung» und mit einem ehrenvollen Resultat ins Stadtpräsidium gewählt. Er leitete damit in der städtischen Politik die «Ära Schwank» ein, die 20 Jahre dauern sollte. Das sind heute fast nicht mehr vorstellbare lange Zeiträume für die Ausübung einer anspruchsvollen Exekutivfunktion.

Die grossen Meilensteine seiner Amtszeit sind schon mehrfach erwähnt worden: die neue Bauordnung, die schrittweise Einführung der Fussgängerzone in der Altstadt, der Neubau des Altersheims Wiesli, die Freihandbibliothek Agnesenschütte, die Sanierung des St. Johann sowie sein herausragendes Engagement für die kulturellen Institutionen unserer Stadt.

Ihm war es im Wesentlichen auch zu verdanken, dass die Stadt die Kammgarnliegenschaft kaufte, wo in der Folge das nicht mehr wegzudenkende Kulturzentrum seine Heimat gefunden hat und in dem auch eine der weltweit wichtigsten Sammlungen moderner Kunst über drei Jahrzehnte ausgestellt werden konnte.

Als Felix Schwank am Ende seiner Amtszeit nach der Bilanz gefragt wurde, meinte er: «Meinen Sie jetzt die Bilanz des Stadtrates oder meine? Letztere riecht nämlich nach Weihrauch, und den habe ich nicht gerne in der Nase.» Diese Antwort charakterisiert den Verstorbenen gut:

Kurze, präzise Antworten, eine selbstbewusste Bescheidenheit, eine kluge Verwendung von Metaphern und eine Portion Humor, manchmal auch etwas Ironie oder sogar Sarkasmus.

Vorbildlich war, wie konsequent Felix Schwank das Rollenverständnis als Stadtpräsident verstand und auch lebte. Er hat sich nie als Parteidelegierter in der Stadtregierung gesehen, sondern immer als Stadtpräsident, der den Auftrag hatte, über die Parteigrenzen hinaus mit seinen Stadtratskollegen und dem Parlament unsere Stadt vorwärts zu bringen. Das hat ihm zu Recht auch grossen Respekt weit über die Parteigrenzen hinaus eingetragen.

Der Werdegang von Felix Schwank zeigt, dass er sich sehr stark mit der res publica, mit unserem Gemeinwesen identifizierte, ganz im Sinne des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der den Staat als «die Wirklichkeit der sittlichen Idee» sah.

Das ist wohl mit ein Grund, weshalb der Verstorbene fast sein ganzes Leben in den Dienst der Öffentlichkeit stellte, zuerst als kantonaler Strafverfolger und dann in der städtischen Exekutive. Und er fühlte sich bestimmt auch deshalb bis zu seinem Tod eng mit «seiner» Stadt verbunden.

Leider habe ich den Verstorbenen nicht mehr als Politiker kennen gelernt, bin ich doch erst 1993 in den Grossen Stadtrat nachgerückt, als er bereits aus der städtischen Politik ausgeschieden war.

Im Rahmen der Übergabe der Amtsgeschäfte hat mir mein Vorgänger Thomas Feurer mit auf den Weg gegeben, Felix Schwank mindestens einmal pro Jahr zu Hause zu besuchen und ihm einen guten Wein mitzubringen. Er lebte nach dem Tod seiner Ehefrau schon länger alleine und war aufgrund gewisser altersbedingter Einschränkungen nicht mehr so oft in der Stadt anzutreffen. Deshalb freute er sich, wenn er jemanden empfangen und von alten Zeiten erzählen konnte. Bei dieser Gelegenheit zeigte er auch, wie interessiert er das aktuelle politische Geschehen in der Stadt immer noch verfolgte. Und er gab nicht nur bei diesen Treffen meinem Vorgänger und mir mehr als einen gut gemeinten «väterlichen» Ratschlag mit auf den Weg. Ab und zu, schickte er solche auch per Post. Den letzten erhielt ich am 31. März dieses Jahres. Darin liess er sich verärgert über die drohende Schliessung der Poststelle Breite aus und erwartete von mir eine Überprüfung gewisser Aussagen der Post. Der Brief endete mit dem Satz: «Überprüft das! Beste Grüsse, Felix».

Bei meinem ersten und leider auch letzten Besuch als Stadtpräsident bei ihm zu Hause an der Randenstrasse, hat mir Felix 2016 bei einem Glas Wein das «Du» angeboten. Diese persönliche Geste und das sehr offene und kollegiale Gespräch mit ihm bleiben mir in bester Erinnerung, denn ich durfte dabei erleben, dass er – der für Aussenstehende oftmals etwas unnahbar wirkte - auf der persönlichen Ebene auch sehr verständnis- und humorvoll sein konnte.

Felix Schwank gebührt für seinen wertvollen Einsatz im Dienste der Allgemeinheit grosser Respekt und Anerkennung. Er hat über viele Jahre positive Spuren in dieser Stadt und in unserer Mitte hinterlassen. Dafür sind wir dankbar. Wir werden ihn darum in ehrender Erinnerung behalten. Den Angehörigen entbieten wir unser aufrichtiges Beileid. 


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