Sichere und wacklige Kandidaten

schaffhauser az vom 02.08.2012

Der Stadtrat wird bald ein reines Männergremium sein. Wie es zusammengesetzt sein wird, ist allerdings offen: Mit Simon Stocker und Daniel Preisig kämpfen Vertreter zweier Oppositionsparteien um den Einzug in die Stadtregierung.


Mattias Greuter

Sieben Kandidaten wollen auf fünf Sitzen Platz nehmen. Die Schaffhauser Bevölkerung ist ihren Bisherigen erfahrungsgemäss ziemlich treu – vier Kandidaten haben also gewissermassen schon mit einer Hinterbacke Platz genommen. Auch die Tatsache, dass einer der fünf Sitze mit dem Rücktritt von Jeanette Storrer frei wird, hilft den Bisherigen: Wer will, kann alle wiederwählen und trotzdem den Anspruch von AL oder SVP unterstützen. Erstmals werden alle Stadträte, die neu einheitliche Pensen von 70 Prozent haben, gleichzeitig gewählt.

Thomas Feurer bietet als Stadtpräsident und als Zuständiger für Kultur und Städtische Werke kaum Angriffsfläche, einzig in der Affäre um das Museum zu Allerheiligen machte er als Führungperson keine gute Figur. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass ihm dies an der Urne viel schaden wird. Zudem ist Feurer der einzige Kandidat für das Stadtpräsidium. Seine Wahl im ersten Durchgang ist deshalb fast sicher.

Ebenfalls mit guten Chancen starten die beiden SP-Kandidaten Peter Neukomm und Peter Käppler. Neukomm hat als Finanzreferent zwar ein Sparprogramm vorgestellt, doch dieses stiess auf deutlich weniger Widerstand als dasjenige des Kantons. Auch sonst gibt seine Amtsführung kaum jemandem Anlass zu Kritik – ein Erfolg im ersten Wahlgang ist wahrscheinlich. Käppler hingegen steht als Baureferent etwas mehr im Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit und ist auch mit einigen Vorlagen vor dem Volk gescheitert. Bei einigen Anliegen wie Rhybadi-Sanierung erntete er harsche Kritik. Es ist daher nicht auszuschliessen, dass er an der Urne einen Denkzettel erhält.

Der vierte im Bunde, Schulreferent Urs Hunziker muss am ehesten um seinen Sitz oder zumindest um die Wiederwahl im ersten Durchgang fürchten. Er wird als untätig wahrgenommen und ist mit einem viel diskutierten Anliegen, der Einführung von geleiteten Schulen, gescheitert. Auch in seiner Partei hat er nicht nur Freunde, vor vier Jahren wäre er beinahe nicht nominiert worden. Dennoch schaffte er damals mit einem guten Ergebnis die Wiederwahl.

Die Herausforderer
Raphaël Rohner will für die FDP den frei werdenden Sitz von Jeanette Storrer sichern. Er bekommt Konkurrenz von links und von rechts: Die beiden jungen Kandidaten Simon Stocker (AL) und Daniel Preisig (SVP) kämpfen um den Einzug ihrer Partei in die Stadtregierung. Die FDP hat mit Rohner den richtigen Mann aufgestellt, um den Sitz zu verteidigen: Der amtierende Präsident des Grossen Stadtrats gilt als seriös und moderat, ist auch links und rechts der Mitte wählbar. Ob der wenig kämpferisch auftretende Rohner diese Wähler allerdings mobilisieren kann, ist unsicher.

Der Anspruch von Daniel Preisig ist, wenn man die Wählerstärke der städtischen SVP betrachtet, durchaus gerechtfertigt. Doch eine Exekutivwahl verläuft oft nicht nach Parteistärken, und gerade die SVP hatte in der Vergangenheit einen schwierigen Stand: Vor vier Jahren beispielsweise scheiterte ihr Kandidat Werner Schöni deutlich. Preisig hat früh mit seinem finanziell sehr aufwändigen Wahlkampf begonnen, dennoch sind seine Chancen klein einzuschätzen. Er gilt als SVP-Hardliner, und sein letztes Postulat ('Ganzjährig nutzbare Rhybadi: Wellness-Oase mit Munotblick!') vor dem Rücktritt aus dem Gros­sen Stadtrat ging, wie sich zeigen sollte, weit an der Meinung des Volkes vorbei.

Etwas besser sind die Karten von Simon Stocker. Vor vier Jahren wurde er mit dem zweitbesten Resultat in den Stadtschulrat – ein Exekutivgremium – gewählt und geniesst auch das Vertrauen der wählerstarken SP-Basis.

Es geht in die zweite Runde
Im ersten Wahlgang wäre es eine gros­se Überraschung, wenn einer der Herausforderer den Sprung in den Stadtrat schaffen würde. Und: Es ist kaum denkbar, dass jemand seine Kandidatur zurückzieht. Im zweiten Wahlgang hängt alles davon ab, wieviele Sitze noch zu vergeben sind und welche Bisherigen bereits gewählt sein werden. Im Folgenden möchten wir drei mögliche Szenarien, absteigend nach Eintretenswahrscheinlichkeit, vorstellen.

Szenario 1: Alle vier Bisherigen schaffen die Wiederwahl auf Anhieb, nur ein Sitz ist noch frei. In diesem Fall hat Simon Stocker gute Karten. Er hat nach erfolgter Wiederwahl der beiden SP-Stadträte den Vorteil, dass er auf die Unterstützung des gesamten linken Spektrums zählen kann. Andererseits ist ein Abwehrreflex der Bevölkerung gegen eine links dominierte Stadtregierung möglich. Auch Raphaël Rohner hat noch Chancen, obwohl Daniel Preisig wichtige bürgerliche Stimmen abzweigen wird.

Szenario 2: Zwei Sitze sind noch zu vergeben, weil Urs Hunziker zu einem zweiten Wahlgang antreten muss. Auch diese Variante spielt Simon Stocker in die Hände, weil sich das Augenmerk auf Hunzikers Departement richten wird und Stocker Hunziker direkt mit den Problemen im Bildungsbereich konfrontieren könnte. Für den letzten Sitz ist in diesem Szenario die Auswechslung Hunzikers durch Rohner denkbar.

Szenario 3: Peter Käppler verpasst die Wiederwahl im ersten Wahlgang. Dies begünstigt Rohner und macht die Chancen von Stocker quasi zunichte. Daniel Preisig hingegen hat nur dann einen Vorteil, wenn beide FDP-Kandidaten die Wahl auf Anhieb schaffen und einer der SP-Männer nochmals antreten muss – ein unwahrscheinliches Szenario.

Fazit: Die drei Stadträte Feurer, Neukomm und Käppler sind einigermassen gesetzt. Die zwei weiteren werden – je nach Ansgangslage im zweiten Wahlgang entweder Hunziker und Rohner, Hunziker und Stocker oder sogar Rohner und Stocker heis­sen.


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