Höherer Frauenanteil im Kader erwünscht

Stellungnahme des Stadtrates vom 27.11.2012 zum Postulat von Christine Thommen FDP.Die Liberalen vom 30. Oktober 2012 "Mehr Frauen in die Chefetagen der Städtischen Verwaltung!"

Heute beträgt der Frauenanteil in der Stadtverwaltung im unteren Kader 73.5 %, im mittleren 22.8 % und im oberen Kader 15.4 %. Diese Zahlen alleine sind aber mit Vorsicht zu geniessen, weil in der Einteilung der Kaderstufen zwischen den städtischen und den privaten Altersheimen ein grosser Unterschied besteht. So gehören bei den städtischen Altersheimen z.B. Stationsleitungen zum unteren, bei den privaten Altersheimen hingegen zum mittleren Kader. Würden also bei den städtischen Altersheimen die Kaderstufen gleich wie in den privaten eingeteilt, läge die Frauenquote im mittleren Kader deutlich über den 35 %, nämlich bei 49.1 % und im unteren bei 58.8 %. Der hohe Frauenanteil im mittleren und unteren Kader ist bei der Stadt vor allem darauf zurückzuführen, dass wir zahlreiche Stations-, Team- und Gruppenleitungen in Berufsgruppen haben, in denen generell mehr Frauen als Männer tätig sind, vor allem in den Bereichen Alters-, Jugend- und Kinderbetreuung. In diesem Zusammenhang ist auch darauf hinzuweisen, dass es bei uns auch Abteilungen gibt, übrigens auch in meinem Bereich, in denen nur Frauen arbeiten und für die wir bei Stellenmutationen auch schon explizit Männer gesucht haben, aber ohne Erfolg.

Die Antworten auf die Fragen des Postulats im einzelnen:

Wie kann eine Frauenquote von mindestens 35% im mittleren und oberen Kader der Städtischen Verwaltung erreicht werden?

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Terminologie betreffend unterer und mittlerer Kaderstufe zwischen städtischen und privaten Altersheimen ist eine Frauenquote von mindestens 35 % auf diesen Kaderstufen bereits erreicht.
Anders sieht es beim oberen Kader, also den Bereichsleitungen, aus. Der Stadtrat teilt die Auffassung, dass der Frauenanteil dort nicht ausreichend ist. Dabei ist zu berücksichtigen, dass bei den Stellenbesetzungen in diesen Bereichen oftmals gar keine Bewerbungen von Frauen eingehen. Dies hängt von verschiedenen - auch gesellschaftlichen - Rahmenbedingungen ab und wird vor allem von der Situation auf dem Stellenmarkt und den geschlechtsspezifischen Präferenzen für gewisse Berufsgattungen beeinflusst.
Zusätzlich muss bei Rekrutierungen in erster Linie berücksichtigt werden, wie eine sich bewerbende Person zum Stellenprofil und in die Abteilung passt. Dies geschieht zunächst unabhängig vom Geschlecht.
In der Regel erhalten bereits heute Frauen den Vorrang, wenn in der Endphase einer Rekrutierung mehrere gleichwertige Bewerbungen von Stellenanwärterinnen und -anwärtern übrig bleiben.
Eine Frauenquote von mindestens 35 % im oberen Kader zu erreichen, ist eine äusserst anspruchsvolle Zielsetzung. Die Frage, mit welchen Massnahmen, die im Einflussbereich der Stadt liegen (z.B. Teilzeitstellenangebote, Möglichkeiten von Home-Office, ausserfamiliäre Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Frauenförderung im Rahmen der Personalentwicklung etc.) die Erreichung dieses Ziels positiv beeinflusst werden kann, erfordert vertiefte Abklärungen, die in der sehr kurzen Zeit seit der Einreichung des Vorstosses nicht zu tätigen waren.
Und im allerobersten Kader, also in der Exekutive, kann die Frauenquote von der Stadt nicht beeinflusst werden. Hier sind die Parteien gefordert, Kandidatinnen zu stellen, damit für den Souverän überhaupt eine Wahlmöglichkeit besteht.

Wie viele Jahre sind für diesen Prozess nötig?

 

Die Zeit, die für diesen anspruchsvollen Prozess notwendig sein wird, kann kaum verlässlich prognostiziert werden. Denn hier spielen diverse äussere Einflüsse wie z.B. die Verfügbarkeit von weiblichen Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt oder die Attraktivität des städtischen Angebots - inkl. Entlöhnung - im Vergleich zur Privatwirtschaft resp. anderen öffentlichen Arbeitgebern eine zentrale Rolle.

Ist der Stadtrat bereit, sich eine solche Zielvorgabe bei der Personalrekrutierung zu setzen?

Der Stadtrat geht wie erwähnt davon aus, dass in den meisten Bereichen bereits heute im Bewerbungsprozedere für das mittlere und das obere Kader bei gleicher Qualifikation und Eignung Frauen gewählt werden. Es könnte aber in Erwägung gezogen werden, ein solches Vorgehen als sog. weiche Quote verbindlich festzulegen.
Weil der Stadtrat das grundsätzliche Ziel, künftig mehr Frauen in Kaderstellen zu beschäftigen mit den Postulanten teilt und er sich auch vorstellen könnte, einen Frauenanteil von 35% als Zielgrösse anzustreben, ist er bereit das Postulat entgegen zu nehmen. Bei einer Überweisung des Vorstosses würde vertieft abgeklärt, mit welchen Massnahmen diese Zielerreichung positiv beeinflusst werden könnte und dem Parlament zu gegebener Zeit darüber wieder Bericht erstattet. Ich warne aber bereits an dieser Stelle vor zu hohen Erwartungen. Unsere Möglichkeiten sind beschränkt.
Da auf die Ausschreibung einzelner Kaderstellen, vor allem im technischen Bereich, oftmals keine einzige weibliche Bewerbung eingeht und der Stellenmarkt darüber hinaus für bestimmte Fachleute völlig ausgetrocknet ist, erweist sich eine zu starre Einschränkung bei der Wahl von Kaderstellen als problematisch. Dem Stadtrat ist es deshalb ein Anliegen, bereits an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass er das Instrument einer harten Frauenquote als falschen Weg und als nicht praktikabel erachtet. Das Risiko, dass einzelne wichtige Funktionen im städtischen Dienst, welche für die Gewährleistung des Service Public zugunsten der Bevölkerung von erheblicher Bedeutung sind, wegen harten Quoten über längere Zeit nicht besetzt werden könnten, ist mit dem öffentlichen Auftrag der Stadt nicht vereinbar. Wie erwähnt, können wir uns aber vorstellen, das Anliegen des Postulats künftig über eine sog. weiche Quote zu fördern.


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