Stadtpräsident Peter Neukomm erläutert die Bedeutung des 20-tägigen Vaterschaftsurlaubs, den die Stadtverwaltung einführt. Die Kosten seien im Vergleich zum Nutzen sehr gering (Interview: Dario Muffler; Foto: Melanie Duchene/SN)

Die Stadt führt einen längeren Vaterschaftsurlaub für Mitarbeitende ein. Frisch ge­backene Väter erhalten ab dem neuen Jahr 20 Tage anstatt wie bisher fünf Tage Vaterschaftsurlaub.

Mit 20 Tagen Vaterschaftsurlaub steht die Stadt Schaffhausen besser da als die Verwaltungen der Städte Winterthur und Zürich und des Kantons Schaffhausen. Löst diese Massnahme das Problem der Stadtverwaltung, Fachkräfte zu finden?

Peter Neukomm: Das ist nur ein Mosaiksteinchen. Am Ende ist das Gesamtpaket entscheidend. Wir wissen, dass wir in Schaffhausen beim Lohn nicht mit anderen Kantonen mithalten können. Das ist sowohl bei der Stadt- als auch Kantonsverwaltung so. Wir brauchen deshalb andere Massnahmen, um ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben. Wir hatten dieses Jahr grosse Probleme, qualifizierte und spannende Stellen zu besetzen. Per Ende Jahr hatten wir 17 offene Stellen. Darunter befinden sich Chefbeamtenpositionen, die wir nicht besetzen konnten.

Wie geht man intern mit diesen offenen ­Positionen um?

Es erfordert einen Mehreinsatz der Mitarbeitenden, was sehr anspruchsvoll ist. Wir versuchen die Nachfolgeregelungen zwar längerfristig zu planen, es gelingt aber nicht immer gleich gut. Beispielsweise haben wir die Stelle des Bereichsleiters Grün bereits zweimal ohne Erfolg ausgeschrieben. Das treibt auch die Rekrutierungskosten in die Höhe: Wir müssen mehr investieren, um Stellen wieder zu besetzen. Wo wir also Attrak­tivierungen erzielen können, müssen wir das tun. Dabei denke ich insbesondere an die jüngeren Mitarbeitenden, bei denen wir die grösste Fluktuation feststellen. Wir versuchen beispielsweise auch stärker junge Talente zu fördern. Der Vaterschaftsurlaub ist ein weiterer Schritt zur Verbesserung unserer Anstellungsbedingungen.

Wo steht die Stadt Schaffhausen mit 20 Tagen Vaterschaftsurlaub im Vergleich zu Unternehmen der Privatwirtschaft?

Wir haben uns an Georg Fischer orientiert und bei öffentlichen Arbeitgebern in Städten wie St. Gallen, Biel oder Bern. Mitarbeiter erhalten dort ebenfalls 20 Tage Vaterschaftsurlaub. Bei der Axa und Mobility sind es ebenso viele Tage, Microsoft und Ikea gewähren ihren Mitarbeitern 30 Tage, die Cilag sogar 40. Google und Novartis liegen mit 60 respektive 90 Tagen an der Spitze eines kleinen Vergleichs, den wir für den Stadtrat zusammengestellt haben. Mit dieser Massnahme sind wir im Mittelfeld und nicht mehr am Ende der Rangliste.

Sie sagen, in den nächsten Jahren drohen ­erhebliche Schwierigkeiten in der Verwaltung, wenn wichtige Stellen nicht besetzt werden können. Weshalb führt die Stadt den ­längeren Vaterschaftsurlaub erst jetzt ein?

Wir sind immer gefordert, uns zu verbessern. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein erklärter Legislaturschwerpunkt des Stadtrats. Zudem zeigte sich 2016 im Rahmen einer Auswertung der Mitarbeitergespräche in allen Verwaltungsabteilungen, dass ein längerer Vaterschaftsurlaub eine hilfreiche Massnahme wäre, um Beruf und ­Familie besser vereinbaren zu können.

Wie viele Väter können vom längeren Urlaub profitieren?

2018 wären sieben Männer betroffen gewesen, 2017 drei. Es waren bisher immer einstellige Zahlen. Bei 850 Vollzeitstellen macht das nur einen verschwindend kleinen Teil aus.

Was kostet die Massnahme?

Wenn man mit einem Durchschnittsverdienst von 100 000 Franken rechnet, kommen wir bei fünf Vaterschaftsurlauben auf Kosten von knapp 40 000 Franken. Im Vergleich zum Gesamthaushalt oder nur schon zum Personalaufwand der Stadt ist dieser Betrag sehr klein. Die Kosten fallen zudem nur dann an, wenn eine Aushilfe für die Zeit des Urlaubs eingesetzt wird, was wiederum nur bei den 24-Stunden- oder Schichtbetrieben der Fall wäre. In der Praxis ist deshalb mit weit geringeren Kosten zu rechnen.