Melanie Rüegg vom Blumenladen der Stadtgärtnerei ist nicht im Homeoffice. Im Hintergrund warten grüne Bestellungen auf ihre Abholung. BILD MELANIE DUCHENE

Technische Herausforderungen im Homeoffice, viele klärende Telefonate, ganz neue Dienstpläne und Umverteilung von Arbeitskräften: Die Corona-Krise und die Hygienemassnahmen zeitigen starke Auswirkungen auf den Arbeitsalltag bei der Stadtverwaltung.

Daniel Jung

Seit dem 17. März sind die Verwaltungsgebäude und Schalter der Stadt Schaffhausen für Besucher geschlossen. Von Anfang an betonte der Stadtrat, dass die Dienstleistungen für die Bevölkerung grundsätzlich aufrechterhalten werden. Doch wie funktioniert das? Wir haben bei Stadtpräsident Peter Neukomm nachgefragt. Er hat Rückmeldungen über die Auswirkungen von Corona auf die fast 1300 Mitarbeiter der Schaffhauser Stadtverwaltung eingeholt.

Die Stadtverwaltung wird derzeit nicht mit Anfragen überschwemmt. «Die Kontaktaufnahmen per Telefon und Mail halten sich in Grenzen und können gut bewältigt werden», schreiben die Verantwortlichen. Bei manchen Abteilungen, etwa bei den Einwohnerdiensten, komme es zu vielen Anfragen, und manchmal halte sich das Verständnis, dass man nicht mehr direkt vorbeikommen kann, in Grenzen.

Im Kulturbereich gibt es viele Kundenkontakte wegen Rückerstattungen für abgesagte Veranstaltungen und Umbuchungen. Bei den Bibliotheken ist eine spürbare Zunahme der Neueinschreibungen für die digitalen Angebote zu verzeichnen.

Bei den Kindertagesstätten sind sehr viele Telefongespräche mit besorgten Eltern zu verzeichnen, welche fragen, wie es mit der Betreuung ihrer Kinder weitergeht und wie die Bezahlung dafür geregelt wird, wenn sie ihr Kind zu Hause behalten. Projekte werden vorgezogen

Die Reinigung der Schulhäuser und Turnhallen ist weniger geworden, dafür wird aus Hygienegründen in der Verwaltung öfter gereinigt und der Frühjahrsputz vorgezogen. Aufgrund einer höheren Anzahl an Ausfällen von Mitarbeitenden verteilt sich die Arbeit auf weniger Personen.

Weniger zu tun gibt es beim Sport, da alle Anlagen geschlossen und die Vereinstätig-keiten weitgehend eingestellt sind. Hier sind die Mitarbeitenden derzeit vor allem mit der Frage konfrontiert, wann wieder Normalbetrieb sei – oder auf wann Anlässe verschoben werden sollen.

Bei der Kultur ist die Arbeitslast im administrativen Bereich etwa gleich geblieben, obwohl keine Veranstaltungen stattfinden. «Es müssen Ausfallplanungen, Stornierungen, Umbuchungen, Ersatzplanungen und so weiter vorgenommen werden», schreibt die Stadt. Überall dort, wo es derzeit weniger zu tun gibt, werden Projekte vorgezogen und vorangetrieben, Mehrstunden abgebaut und Ferien bezogen.

Zudem werden auch Arbeitskräfte umverteilt. «Diese Planung ist inzwischen aufgegleist», schreibt die Stadt. Um für mögliche Engpässe gewappnet zu sein, steht elektronisch ein Formular zur Verfügung, in dem Bereichsleitende und Abteilungsleitende die Mitarbeitenden eintragen können, welche freie Kapazitäten haben. «Es gibt bereits erste Umlagerungen», erklärt die Stadt. Insbesondere der Bereich Alter ist darauf angewiesen. «Die interne Solidarität funktioniert zum Glück, was erfreulich ist.»

Denn im Bereich Alter ist die Arbeitslast stark angestiegen. Die ansteigende Zahl an Krankheitsausfällen bei den Mitarbeitenden sorgt zusätzlich für eine Verschärfung der Situation. Im Personaldienst hat die Arbeitslast ebenfalls stark zugenommen. Viele Anfragen müssen innert kurzer Frist beantwortet werden. Das gilt auch für den Rechtsdienst der Stadtkanzlei. Entlastend wirkt dort, dass der Parlamentsbetrieb ruht. Hochbetrieb herrscht derzeit auch bei der Steuerverwaltung. «Viele Steuerpflichtige sind zu Hause und haben Zeit, um die Steuererklärung auszufüllen», schreiben die Verantwortlichen. Herausforderung Homeoffice

Viele Mitarbeiter mit Büroarbeitsplätzen sind derzeit im Homeoffice. Dafür mussten in diversen Bereichen zuerst die technischen Voraussetzungen geschaffen werden. Herausforderungen gibt es beim Homeoffice, wenn Spezialanwendungen wie das Ticketing-System des Stadttheaters daheim nicht funktionieren. Negativ am Homeoffice, so schreibt die Stadt, sei sicher, dass der soziale Kontakt entfällt. «Positiv ist die verstärkte Nutzung digitaler Instrumente.»

Die Betreuung der Lernenden ist im Homeoffice schwieriger. Dennoch haben die Berufsbildner täglich Kontakt mit den Lernenden und geben ihnen Aufträge, welche sie nebst den Schulaufträgen und Online-Unterricht erarbeiten können. Homeoffice ist aber nicht in allen Abteilungen für Lernende möglich. Energieversorgung funktioniert

Nur bedingt möglich ist Homeoffice generell bei der Altersbetreuung und der Spitex. Schwierig oder unmöglich ist es für die Mitarbeiter der KBA Hard und der Entsorgung, der Hauswartungen und Reinigung, der Kinder- und Jugendbetreuung sowie für Arbeiten von SH Power an Netzen und Anlagen, auf Baustellen oder bei Piketteinsätzen. Die Sicherstellung der Energie- und Wasserversorgung funktioniere dank guter Vorbereitung bisher aber problemlos.

Auch sind die Mitarbeiter von Grün Schaffhausen weiter auf den Anlagen und im Wald präsent – unter Einhaltung der Vorgaben des BAG. Der Blumenladen der Stadtgärtnerei ist zwar geschlossen, es können aber weiterhin Blumen bestellt und bestelle Ware abgeholt werden.

Die Einhaltung der Hygienevorschriften bei der Betreuung von Kindern, speziell von Kleinkindern, erweist sich als extrem anspruchsvoll. «Es ist es fast nicht möglich, den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten», schreibt die Stadt. Die Beschaffung von zusätzlichem Hygienematerial erfordere viel Geduld und Nerven. Die Einsatzplanung ist erschwert, da auch Fachpersonen und Kitaleitungen krank werden und die angemeldeten Kinder unregelmässig kommen. «Die Verunsicherung der Eltern, aber auch des Personals erfordert sehr viele Gespräche», schreibt die Stadt.

Alles in allem zieht der Stadtpräsident aber ein positives Zwischenfazit: «Insgesamt hat sich der Spezialbetrieb stadtweit unterdessen gut eingespielt.» Neuer Dienstplan bei den VBSH

Auch bei den VBSH arbeiten viele Mitarbeitende der Verwaltung derzeit im Homeoffice. Dennoch ist, je nach Funktion, die zeitweise Präsenz vor Ort nötig.

Mitarbeitende im ­ Fahrdienst müssen die ­Hygienemassnahmen einhalten. Seit letztem Montag gelten für sie komplett neue Dienste aufgrund des Spezialfahrplans.

Auch die Mitarbeitenden in der Technik beachten die Hygienemassnahmen, arbeiten aber im normalen Rahmen weiter.