Stadtrat präsentiert Siegerprojekt: Ein Auenwald für den Kammgarnhof

Alle Anforderungen erfüllt: Jurymitglied Lorenz Eugster (l.) erläuterte den Entscheid für das Siegerprojekt. Bild: Jeannette Vogel

Schaffhauser Nachrichten vom 29.10.2021

Insgesamt 20 Teams reichten einen Projektvorschlag für die Gestaltung des Kammgarnhofs ein. Die Jury entschied sich mit dem Projekt Celastrina für denjenigen Vorschlag mit dem meisten Grünraum.

Für den Schaffhauser Stadtrat ist das Kammgarnareal ein Schlüsselgebiet zur Entwicklung der südlichen Altstadt. Eine bedeutende Rolle bei der Aufwertung des Areals spielt der Kammgarnhof. Heute dient die Fläche vor allem als Parkplatz. Künftig soll daraus ein attraktiver und multifunktionaler Veranstaltungsort werden, und die Parkplätze sollen in eine eingeschossige Parkgarage unterhalb des Hofs verschwinden. Im März hatte die Stadt Schaffhausen dazu einen Projektwettbewerb ausgeschrieben. Insgesamt 20 Teams reichten ihre Projektvorschläge ein.

«Wir suchten eine Eier legende Wollmilchsau.»

Peter Neukomm, Stadtpräsident

Die Anforderungen an das Projekt seien hoch gewesen, sagte Stadtpräsident Peter Neukomm (SP) gestern Nachmittag bei der Präsentation der Projekte. «Wir suchten eine Eier legende Wollmilchsau.» Ein Gremium aus neun Preisrichtern beurteilte die eingereichten Projektvorschläge unter anderem danach, wie gut sie sich durch die Gestaltung und Erschliessung in die südliche Altstadt und an das Rheinufer einfügen. Weiter wurden die Aufenthaltsqualität, die Flexibilität für die Nutzung des Kammgarnhofs, ökologische Aspekte und die Wirtschaftlichkeit beurteilt. All dies war im Wettbewerbsprogramm festgehalten. Die Stadt dotierte den Wettbewerb mit 135 000 Franken. «Dieser Einsatz hat sich mehr als gelohnt», sagte Neukomm. Die grosse Anzahl an spannenden Projekten sei erfreulich.

Biodivers und flexibel nutzbar

Sieben Projekte schafften es in einen zweiten Durchgang, wo insbesondere die Nutzungsqualität, die Nachhaltigkeit und die Wirtschaftlichkeit sowie der architektonische Ausdruck überprüft wurde. In die engere Auswahl kamen schliesslich vier Projekte. Das Rennen machte am Ende das von der Metron Bern AG zusammen mit Landschaftsarchitekten, Bauingenieuren und Architekten verfasste Projekt Celastrina.

Etwa so soll es auf dem Kammgarnhof dereinst aussehen. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Siegerprojekts war, dass der Platz flexibel
genutzt werden kann. Visualisierung: zvg

«Die Hauptidee war es, einen Platz zu schaffen, der flexibel nutzbar ist und gleichzeitig dringliche Themen wie Biodiversität, Regenwasserversickerung und die Aneignung durch die Bevölkerung vereinen», sagte Landschaftsarchitekt Sebastian Lehmann vom Siegerteam. Die grosse, an die Rheinuferstrasse angrenzende Grünfläche sei einem Auenwald nachempfunden. Vorgesehen seien Weichholzarten, in lockerer Formation zusammengestellt. Mit dem dunkelgrünen Laub und den weissen Blüten biete die Bepflanzung ideale Bedingungen für die Schmetterlingsart Celastrina, der Namensgeberin des Projekts. Der Schmetterling gilt als Indikatorart. Heisst: Wenn er sich im Kammgarnhof ansiedelt, tun das auch eine Vielzahl weiterer Tierarten.

Bindeglied zwischen Stadt und Wasser

Für Jurymitglied Lorenz Eugster hat das Siegerprojekt alle Anforderungen erfüllt. Aufgrund des enthaltenen kleinen Auenwalds sei es zudem das Projekt mit dem meisten Grün und schaffe eine Art Quartierort. Gemäss dem Jurybericht interpretiert das Siegerprojekt den Kammgarnhof als Bindeglied zwischen der Altstadt und dem Gewässerraum des Rheins. Eine neu geschaffene, öffentliche Halle soll die Klosterstrasse mit dem Kammgarnhof verbinden.

Der Kammgarnhof werde mit wenigen baulichen Eingriffen strukturiert: Zum einen mit der Idee, den Kastanienbaum in mittelalterlicher Tradition der «Tanzlinden» hervorzuheben, indem der Baumstamm durch eine Bühne gerahmt wird. Zum anderen säume ein zweigeschossiger Pavillon den Hof entlang der Rheinuferstrasse. Der Holzpavillon als Hofabschluss diene verschiedenen Nutzungen und sei gleichzeitig Aussichtsplattform, Tribüne und Bühne. Gleichzeitig umfasse er die Tiefgarageneinfahrt, deren Neigung in der Decke zu Sitzstufen genutzt werde und deren Dach als Treffpunkt mit Weitsicht diene. Die Materialwahl und die Bepflanzung des Hofs würden zur Artenvielfalt und einem angenehmen Mikroklima beitragen. Die Grundlage dafür bilde die Tatsache, dass sich die Baumflächen und die Tiefgarage nicht überschneiden. Die Baumwurzeln sollen dadurch genügend Platz zum wachsen haben.

Baureferentin Katrin Bernath (GLP) sagte, der Platz solle durch die Umgestaltung belebter werden und zum Verweilen einladen. Stadtpräsident Neukomm bezeichnete den Kammgarnhof als ein «weiteres Highlight in der Aufwertung der Altstadt». Der Baustart ist für Mitte 2023 vorgesehen. Die Arbeiten sollen rund ein Jahr dauern.

Die eingereichten Projekte und das Siegerprojekt sind vom 1. bis 13. November im 2. Stock der Kammgarn West ausgestellt. Montags, dienstags und freitags von 16 bis 19 Uhr, mittwochs von 12 bis 14 Uhr und samstags von 11 bis 15 Uhr.

Neuer Kammgarnhof als Aufwertung der Altstadt

Tele Top News vom 29.10.2021

Yves Netzhammer gestaltet Fassade am Stadthausgeviert

Videobeitrag Schaffhauser Nachrichten vom 28.10.2021

Celastrina erfüllt die vielfältigen Anforderungen an den Kammgarnhof am besten

Votum an der Medienkonferenz vom 28.10.2021 zum Ergebnis des Wettbewerbs für die Gestaltung des Kammgarnhofs

Nachdem wir der Öffentlichkeit gestern das Ergebnis des Wettbewerbs für Kunst am Bau des neuen Stadthausgevierts präsentieren konnten, steht heute ein weiteres Highlight im Zusammenhang mit der Aufwertung unserer einmaligen Altstadt an.
Es geht um die Präsentation des Ergebnisses des Wettbewerbs für die Hofgestaltung und Tiefgarage des Projekts Entwicklung Kammgarnareal.
Bevor ich etwas zur Bedeutung dieses Wettbewerbs und dessen Ergebnis aus gesamtstädtischer Sicht sagen werde, stelle ich Ihnen gerne die Anwesenden vor.
Es sind Mitglieder der Jury, entweder als Sach- oder Fachpreisrichter und Vertreter des Siegerteams.
Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Architektin Katrin Jaggi aus Zürich, die sich heute wegen anderweitiger Verpflichtungen leider entschuldigen lassen musste, hat das Projekt «Celastrina» zum Sieger des Wettbewerbs erkoren und dem Stadtrat zur Weiterbearbeitung empfohlen.
Der Stadtrat hat am 26.10. diese Empfehlung umgesetzt und den verantwortlichen Projektanten vom Büro Metron Bern AG, mit WKP Bauingenieuren AG Zürich, der Metron Architektur AG, der Metron Verkehrsplanung AG, beide in Brugg, sowie der Edelmann Ingenieurbüro AG Thalheim den Planungsauftrag für die Neugestaltung des Kammgarnhofs und der Tiefgarage erteilt. 

Heute informieren wir Sie, wie und warum es zu diesem Entscheid gekommen ist und welche Konsequenzen das auf die Entwicklung des Kammgarnareals haben wird.
Wenn ich von wir rede meine ich
–        Dr. Katrin Bernath, Baureferentin, Sachpreisrichterin
–        Karin Brand, Bereichsleiterin Hochbau, Fachpreisrichterin
–        Lorenz Eugster, Fachpreisrichter, Mitglied Stadtbildkommission, Landschaftsarchitektur und
         Städtebau GmbH als Vertreter der Jury-Präsidentin
–        Jasmin Klein, Projektleiterin des Hochbauamts

Ebenfalls anwesend sind als Vertreter des siegreichen Teams Metron: Sebastian Lehmann, Katrin Seidel, Alexandre Roulin, Monika Steiner.

Das Kammgarnareal gehört seit 1982 der Stadt und wurde von dieser erworben, um es zugunsten der SH-Bevölkerung bestmöglich zu entwickeln.
Diesem Auftrag kam der SR mit seiner Vorlage vom 29.08.2019 nach.
Neben der Sanierung des Westflügels bildete die Neugestaltung des Kammgarnhofs, der heute ein öder Parkplatz ist, einen ganz wichtigen Bestandteil der Vorlage.  

Die wichtigsten Ziele des SR waren:

1. das grosse Potenzial der Kammgarnhallen für zukunftsträchtige Nutzungen durch die PH, die Freihandbibliothek mit Ludothek, durch ein neues Gastroangebot sowie durch neue Unternehmen zu erschliessen

2. den Hof durch eine Tiefgarage von den parkierten Autos zu befreien und ihn neu zu gestalten mit einer möglichst hohen Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung sowie für flexible Nutzungsbereiche – Ergebnis des Mitwirkungsprozess

3. damit das gesamte Areal zwischen Altstadt und Rhein aufzuwerten und neu zu beleben. Dadurch soll die Altstadt gefühlt näher an den Rhein gebracht werden.

In der Volksabstimmung vom 20.08.2020 konnten die Stimmberechtigten von diesem Projekt überzeugt werden. Sie bewilligten uns einen Rahmenkredit über Fr. 31.24 Mio.
Das Freispielen des Kammgarnhofs und dessen Neugestaltung zugunsten einer hohen Aufenthaltsqualität spielte in der Volksabstimmung eine zentrale Rolle. Er soll künftig das Gesicht der Altstadt positiv prägen.
Um möglichst gute Ideen für die Neugestaltung des Hofs samt Tiefgarage zu erhalten, wurde ein Wettbewerb durchgeführt.
Die Anforderungen an die Wettbewerbsbeiträge waren hoch.
Wir suchten eigentlich eine «eierlegende Wollmilchsau», eine Platzgestaltung die ganz vielen Erwartungen gerecht werden muss, z.B. mit möglichst viel Bäumen und trotzdem einer maximalen Anzahl Parkplätze im Untergrund.

Erfreulich war, dass eine grössere Anzahl spannender Projekte für die Jury zur Auswahl stand, die sich an den gesetzten Zielen ausrichteten.
Der Einsatz des Preisgelds von Fr. 135’000 für die besten Projektideen hat sich meiner Ansicht deshalb mehr als gelohnt.
Und das Preisgericht ist einhellig der Überzeugung, dass das Siegerprojekt – unter Berücksichtigung seiner Überarbeitungsempfehlungen – die hohen Erwartungen am besten erfüllen kann.
Bevor ich das Wort an die Baureferentin Katrin Bernath übergebe, möchte ich bereits an dieser Stelle im Namen des SR dem Siegerteam ganz herzlich gratulieren und einen grossen Dank aussprechen.
Einerseits geht mein Dank an das Hochbauamt mit Karin Brand an der Spitze sowie an die Projektleiterin Jasmin Klein und ihren Vorgänger Thomas Hess sowie an Olaf Wolter und Silas Trachsel von Suter von Känel Wild Planer und Architekten AG für die professionelle Begleitung des Verfahrens. 
Danken möchte ich aber auch allen Jurymitgliedern für ihr wertvolles Engagement bei der anspruchsvollen Bewertung der Projekte.
Ich kann hier dasselbe sagen wie gestern, als ich aus dem Preisgericht für den Kunst am Bau des Stadthausgevierts berichtet habe:
Ich kann versichern, dass alle Mitglieder der Jury in diesem anspruchsvollen Verfahren grosse Ernsthaftigkeit, Fachlichkeit und Sorgfalt walten liessen.

Künstlerische Fassadengestaltung durch einen Sohn der Stadt

Votum an der Medienkonferenz vom 27.10.2021 über das Ergebnis des Wettbewerbs Kunst am Bau für die neue Empfangshalle im Stadthausgeviert

Ich begrüsse Sie im Namen der Stadt SH zur Medieninformation über das Ergebnis des Ideen-Wettbewerbs „Kunst am Bau“ für den dreigeschossigen Neubau, der im sanierten Stadthausgeviert, das Stadthaus mit dem aufgestockten Haus zum Eckstein verbinden wird.

Bevor ich etwas zur Bedeutung dieses Wettbewerbs und dessen Ergebnis aus gesamtstädtischer Sicht sagen werde, stelle ich Ihnen gerne die Anwesenden vor.
Alle waren Mitglieder der Jury, welche das Siegerprojekt ausgewählt und dem SR zur Umsetzung empfohlen hat.

Der SR ist dieser Empfehlung mit Beschluss vom 28.09.2021 gefolgt.

  • Peter Neukomm, Stadtpräsident
  • Dr. Katrin Bernath, Baureferentin
  • Karin Brand, Bereichsleiterin Hochbau
  • Dr. Katharina Epprecht, Direktorin Museum zu Allerheiligen
  • Katharina Bürgin, Künstlerin und Kuratorin Verbikus
  • Cuno Künzler, Kunstverein Schaffhausen

Von den heute anwesenden Mitgliedern des Preisgerichts werden sie nun Genaueres über die Vorgaben und den Ablauf des Wettbewerbs sowie dessen Ergebnis erfahren. Zuerst an dieser Stelle nochmals eine übergeordnete Einordnung.

Sie erinnern sich, dass wir es nach vielen vergeblichen Anläufen unserer Vorgängerinnen und Vorgänger im Amt im Nov. 2019 mit einer Vorlage geschafft haben, die Stimmberechtigten für den Neubau + Sanierung Stadthausgevierts zu überzeugen. Dazu wurde vom Souverän ein Kredit über 23.1 Mio. bewilligt.

Mit der Sanierung des Stadthausgevierts soll die Zusammenführung der heute auf verschiedene Altstadtliegenschaften verteilte Stadtverwaltung erreicht werden.
Das wiederum wird zu kürzeren Wegen, zu effizienteren Prozessen und damit zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit führen.

Es wird eine zentrale, bürgerfreundliche Anlaufstelle für alle Verwaltungsgeschäfte geschaffen. Bei der heutigen Präsentation geht es um den Verwaltungsneubau zwischen saniertem Stadthaus und aufgestocktem resp. sanierten Eckstein, um die dreistöckige Empfangshalle an der Stadthausgasse. Sie wird das Herzstück der neuen zentralen Stadtverwaltung im Dienste der Bevölkerung.

Der neue zentrale Haupteingang des Neubaus mit der offenen Empfangshalle bildet die neue Adresse der Stadtverwaltung. Er hat damit auch eine repräsentative Bedeutung für die Stadt und ihre Dienste.

Die Gestaltung der Fassade des Neubaus bietet die Möglichkeit, diesem Gebäude auch aus künstlerischer bzw. architektonischer Sicht die Attraktivität zu verleihen, die ihrer Bedeutung gerecht wird.

Um dafür die beste Idee zu finden, wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, an dem sich zahlreiche Künstlerinnen und Künstler aus dem In- und Ausland mit zum Teil sehr spannenden Vorschlägen beworben haben.

Es freut mich als Stadtpräsident ungemein, dass sich in diesem grossen Feld von qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern schlussendlich ein international renommierter SH-Künstler durchsetzen konnte, also ein sein Sohn unserer Stadt, der mit seinem künstlerischen Ausdruck an und in unserem neuen Stadthausgeviert einen wesentlichen Beitrag zur Aufwertung unserer Altstadt leisten wird.

Bevor ich das Wort an die Baureferentin Katrin Bernath übergebe, möchte ich bereits an dieser Stelle im Namen des SR einen grossen Dank aussprechen, dem Hochbauamt mit Karin Brand an der Spitze sowie dem umsichtigen Projekt- und Verfahrensleiter Thomas Hess für die professionelle Begleitung sowie allen Jurymitgliedern für ihr wertvolles Engagement bei der Bewertung der Kunstwerke.
Als Laie bin ich wirklich begeistert von der grossen Ernsthaftigkeit, Fachlichkeit und Sorgfalt, die hier angewendet wurde.
Und schön, dass die Wahl des Siegerprojekts in der Jury schlussendlich einstimmig ausgefallen ist.

So, jetzt mache ich es nicht mehr weiter spannend und gebe das Wort weiter an die Baureferentin Katrin Bernath.