75 Jahre Buchthalen als Stadtquartier

Festrede vom 10.09.2022 zum Jubiläum 75 Jahre Quartier und Quartierverein Buchthalen

Ich freue mich sehr, dem Quartier Buchthalen und seinem Quartierverein,
im Namen der Stadt ganz herzlich zum 75. Geburtstag zu gratulieren.
Gerne überbringe ich Ihnen zum Jubiläum die besten Wünsche des Stadtrats.

Buchthalen als Quartier der Stadt Schaffhausen ist ein Erfolgsmodell, das von Herblingen 1964 und von Hemmental 2009 erfolgreich kopiert worden ist.
Es ist bis heute ein äusserst attraktives und beliebtes städtisches Wohnquartier mit bester Anbindung ans Stadtzentrum und an die anderen Quartiere, ein Quartier, das lebt und über eine gute Versorgung – Einkaufen, Schule, Sport – verfügt.
Zur Lebendigkeit und Ausstrahlung des Quartiers tragen auch die vielen,
z.T. sehr erfolgreichen Vereine – wie die Turner und Korbballerinnen – bei.

Die Lebensqualität, für die wir als Stadt ja Einiges unternehmen, ist in Buchthalen hervorragend, vor allem dank hohem Grünanteil und der Nähe zu Rhein und Wald.
Das war mit ein Grund, weshalb ich mich 1999 – also vor 23 Jahren – mit meiner Familie hier niedergelassen habe.
Und ganz im Sinne des Sprichworts «ubi bene, ibi patria» – dort, wo es Dir gut geht ist Deine Heimat – ist Buchthalen auch für mich zur Heimat geworden.

Und, wenn ich die politische Vertretung des Quartiers in der städtischen Politik anschaue, muss ich sagen:
Die Buchthalerinnen und Buchthaler haben sich immer gewichtig eingebracht und machen das bis heute.
Sie identifizieren sich offenbar nicht nur mit ihrem Quartier, sondern auch mit unserer Stadt, was mich und den Stadtrat natürlich sehr freut.
Buchthalen war im Grossen Stadtrat nicht nur zahlenmässig immer stark vertreten, sondern auch mit diversen namhaften Persönlichkeiten.
Es gab darum in den 90er Jahren das geflügelte Wort der «Buchthaler Mafia», die oft über die Parteigrenzen hinweg hinter den Kulissen Koalitionen für Parlamentsgeschäfte schmiedete.
Nicht nur in den städtischen Gremien, auch auf kantonaler oder Bundesebene waren die Buchthaler immer wieder prominent anzutreffen:
Ich erinnere an Namen wie Hans Ith, Bea Hauser, Ernst Spengler, Hans-Jürg Fehr, Fredy Zollinger, Peter Briner, Theresia Derksen, Heinz Albicker oder Urs Hunziker. Es gäbe natürlich noch viele andere aufzuführen.

Auch Stadtratskollege Raphael Rohner ist hier aufgewachsen und Stadträtin Christine Thommen lebt nicht nur hier, sie präsidiert sogar die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde.
Sie sehen, um das Quartier Buchthalen muss man sich auch in Zukunft keine Sorgen machen…

Aber, wie ist es denn eigentlich dazu gekommen, dass Buchthalen 1947 zum städtischen Quartier wurde?
Ich blicke dazu etwas zurück in die Vergangenheit:
Urkundlich erstmals erwähnt wurde Buchthalen 1122, das war 77 Jahre, nachdem Schaffhausen das Stadtrecht erhalten hatte.

Unser Stadtarchivar Oliver Landolt hält fest, dass «sich schon früh enge Beziehungen zwischen dem Dorf Buchthalen und der im Laufe des Mittelalters aufblühenden Stadt Schaffhausen feststellen lassen».
Das Kloster Allerheiligen besass in Buchthalen umfangreichen Ländereien, die an die ansässigen Bauern gegen jährliche Zinsen als Lehen vergeben wurden.
Und schon im 16. Jahrhundert erwarb die Stadt das Territorium Buchthalens resp. die Vogtei darüber.

Im Mittelalter lebten die Buchthalerinnen und Buchthaler vor allem von der Landwirtschaft, wobei der Rebbau eine hohe Bedeutung hatte.
Die Buchthaler sollen zudem eine wichtige Rolle als Treidler gespielt haben, indem sie mit ihren Pferden die Schiffe rheinaufwärts zogen. Dieser Zusatzverdienste versiegte mit dem Aufkommen der Dampfschifffahrt auf dem Rhein in den 1820-er Jahren.

Im Gefolge der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte Buchthalen ein starkes Bevölkerungswachstum.
Die Grenzen der mittelalterlichen Stadt Schaffhausen wurden gesprengt und die neuen Wohnquartiere Gruben und Emmersberg wuchsen bis an die Gemarkung des Bauerndorfs Buchthalen heran.
Während 1850 noch 364 Personen in Buchthalen lebten, waren es gut 90 Jahre später schon fünfmal mehr.
Nach der Eingemeindung von 1947 wuchs die Einwohnerzahl rasant:
Bereits 1970 wohnten 4’941 Personen hier. Heute sind es 5`531.

Vor allem der starke Bevölkerungsanstieg nach 1900 brachte für das Bauerndorf grosse infrastrukturelle Herausforderungen, mit denen die kommunalen Finanzen nicht mehr Schritt halten konnten.
Schon bald traten die Buchthaler darum in eine Zweckgemeinschaft mit der Stadt: 1911 half die Stadt mit einem Darlehen von Fr 110’000 für den Bau eines neuen Schulhauses, 1908 wurde Buchthalen ans städtische Gasnetz und 1920 ans Wassernetz angeschlossen.

Erste Bemühungen für einer Fusion gab es schon 1910. Diese wurden aber vorerst von den beiden Weltkriegen gestoppt.
Mit Kriegsende wurden die Fusionsverhandlungen 1945 wieder in Angriff genommen.
Der Grossteil der Bevölkerung begrüsste den geplanten Zusammenschluss. Einzig einige ältere Buchthaler aus bäuerlichen Kreisen wehrten sich noch gegen die Fusion.
Die Abstimmung am 04.11.1945 zeigte aber ein klares Resultat: die überwältigende Mehrheit der Buchthaler und Stadtschaffhauser stimmten der Fusion zu und auch auf kantonaler Ebene gab es am 07.07.1946 eine klare Mehrheit für die Eingemeindung.
So endete die kommunale Eigenständigkeit Buchthalens 1947.

Für die Entwicklung der Stadt und von Buchthalen war das rückblickend ein guter Entscheid, eine win-win Geschichte.
1949 wurde Buchthalen ans städtische Busnetz angeschlossen.
Und schon bald setzte ein Bauboom ein.
1948 wurde der Kindergarten eingeweiht, 1958 das Zündelgutschulhaus, 1971 das Kirchenzentrum St. Konrad und 1973 das Hofackerzentrum.
Buchthalen hat sich vor allem als Wohnquartier sehr erfolgreich entwickelt und ist heute nicht mehr aus der Stadt wegzudenken.

Zum Schluss nun noch ein paar Worte zum Quartierverein:
Dieser wurde bekanntlich 1947 gegründet, darum feiert auch er heute sein Jubiläum.
Initiant für die Gründung war der Buchthaler Lehrer Heinrich Spengler.
In Art. 1 der ersten Vereinsstatuten wurde der Zweck des Vereins wie folgt umschrieben: «Wahrung der Quartiersinteressen und Förderung der kulturellen und gesellschaftlichen Beziehung unter den Quartierbewohnern.»

Der Quartierverein hat diesen Auftrag bis heute erfolgreich wahrgenommen und immer wieder zeitgemäss interpretiert. Dass es ihn braucht und er einen guten Job macht, beweist seine grosse Mitgliederzahl.
Neben der Organisation wichtiger gemeinschaftsbildender Anlässe bringt er sich auch gegenüber der Stadt immer wieder gewichtig für sein Quartier ein. Wie alle Quartiervereine ist er damit für uns als Stadtregierung ein wichtiger Fühler ins Quartier.
Somit leisten die Exponenten des Vereins – im Sinne der Gründergeneration – auch heute noch ein wertvolles ehrenamtliches Engagement und sind deshalb mitverantwortlich, dass Buchthalen heute und – ich bin sicher – auch in Zukunft viel zur Attraktivität unserer Stadt beiträgt und beitragen wird.

In diesem Sinne bedanke ich mich im Namen der Stadt ganz herzlich für den grossen Einsatz, auch für die Organisation des heutigen Jubiläumsanlasses.

Happy Birthday und nur das Beste für die Zukunft des Quartiers Buchthalen, seinen Bewohnerinnen und Bewohnern und seinem Quartierverein.

Und Ihnen liebe Gäste, wünsche ich weiterhin einen schönen Abend und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

„Sharehausen“ – neue Mobilitätsformen für Schaffhausen

Radio Munot Interview vom 05.09.2022: Stadt schreibt Projektwettbewerb für neue, auf unsere Stadt angepasste Sharingmodelle aus

Audio-Datei

Baustellen im Dienst der Aufwertung der Altstadt

Stellungnahme des Stadtrats zum Postulat Planas „Gastrounterstützung im Stadthausgeviert und auf dem Herrenacker vom 05.07.2022

Mit seinem Postulat vom 2. März 2022 beantragt Grossstadtrat Marco Planas, dass der Stadtrat prüfe, wie die Gastronomiebetriebe in den Bereichen Stadthausgeviert und Herrenacker während den Bauarbeiten, welche eine Aussenbewirtung über mehrere Monate hinweg gänzlich verunmöglichen, unterstützt und/oder entlastet werden können.

Baustellen sind unangenehm, gerade in der dicht gebauten Altstadt, in welcher der öffentliche Grund rege genutzt wird.

Der Stadtrat versteht, dass die Bauarbeiten rund um das Stadthausgeviert und den Herrenacker für Anwohnerinnen, Besuchende und Gewerbetreibende ein Ärgernis sein können. Und er versteht auch, dass nicht nur einzelne Gastronomiebetriebe sondern auch Detailisten unternehmerisch unter den Baustellen leiden, auch wenn wir alles versuchen, die Auswirkungen so wenig belastend wie möglich zu gestalten.

Dies geschieht durch die Aufrechterhaltung einer möglichst uneingeschränkten Zugänglichkeit der betroffenen Betriebe, aber auch durch möglichst effiziente Baustellenorganisation, so dass die Bauzeit möglichst kurz gehalten werden kann.

In diesem Zusammenhang ist darauf hinzuweisen, dass wir schon viel unternommen haben wie Info-Veranstaltungen für die Anrainer, regelmässige schriftliche Infos über den Baufortschritt und die nächsten Phasen, Signaletik, eigene Homepage oder direkte Kontakte mit den Betroffenen.

Wir sind uns aber bewusst, dass bei solchen Baustellen vieles nicht planbar ist und sich immer wieder neue Fragen stellen.

Deshalb sind wir bestrebt, die Kommunikation stetig zu verbessern und zu optimieren.

Warum gibt es zur Zeit in der Altstadt denn so viele Baustellen?

Da geht es nicht darum, dass der Stadtrat die Bevölkerung und das Gewerbe plagen will, sondern es ist ein Zeichen, dass die Stadt in die Attraktivität der Altstadt und zugunsten der Bevölkerung und des Gewerbes in wichtige Infrastrukturen der Grundversorgung investiert. Die Baustellen am Herrenacker und im Stadthausgeviert sind Ausfluss politischer Entscheide der Stimmberechtigten, also demokratisch legitimiert.

Die Sanierung des Stadthausgevierts und des Herrenackers werden eine spürbare Aufwertung der Altstadt bringen.

Und wir werden in den nächsten Jahren noch in zahlreichen Gassen und Plätzen der Innenstadt aufgraben müssen, weil wir ja ermöglichen möchten, dass auch in der Altstadt fossile Heizungen durch Anschlüsse an Wärmeveründe ersetzt werden können.

Nur so schaffen wir es, bis 2050 klimaneutral zu werden.

Ich erinnere daran, dass auch unsere Vorfahren einmal in dieser Situation waren, als sie die Gasversorgung erstellt haben.

Unsere Generationen erlebt das jetzt, um diese Gasversorgung mit einer klimafreundlichen Komfortwärme- und Kälteversorgung zu ersetzen.

Es geht bei diesen Aufgabungen aber nicht nur um den Aufbau von Wärmeverbünden, sondern auch um die Sanierung der übrigen Werkleitungen, also Wasser-, Abwasser-, Strom- und Gasleitungen. Diese müssen immer mal wieder ajour gebracht werden, damit die zuverlässige Grundversorgung der Bevölkerung  und des Gewerbes durch SH POWER gewährleistet werden kann.

Dass eine solche Baustelle in der Nähe des eigenen Betriebs entstehen kann, ist auch Teil des unternehmerischen Risikos eines jeden Gastronomen.

Dieses Risiko kann und soll die Stadt ebensowenig versichern, wie jeder andere Bauherr.

In vielen Fällen, gerade auf dem Herrenacker, sind weder die Lärmemmissionen noch die Einschränkung der Zugänglichkeit unzumutbar.

Trotzdem haben wir den Gastronomen am Herrenacker die Gebühren für die Boulevardflächen für den Sommer 2022 erlassen.

Einem betroffenen Gastronomen der Stadthausgasse wurde am Salzstadel eine Alternative für den Sommer geboten.

Vor diesem Hintergrund wäre es das falsche Signal, wenn die Stadt nun einen pauschalen Entschädigungsanspruch einräumen würde.

Dies wäre willkürlich und würde einen heiklen und kostspieligen Präzedenzfall darstellen, gerade auch im Hinblick auf die absehbaren Baustellen, welche in den nächsten Jahren im Zusammenhang mit Sanierungsprojekten wie der Bahnhofstrasse, dem Freudenfels, der Kammgarn West oder dem Ausbau des Leitungsnetzes für Wärmeverbünde anstehen.

Es kann jedoch Einzelfälle geben, in denen eine besonders starke Betroffenheit zu erheblichen und messbaren Beeinträchtigungen führt, welche mitunter auch die Existenz eines Betriebs gefährden können.

Der Stadtrat versteht das Postulat auch so, dass dieses mit seiner Einschränkung auf Gastronomiebetriebe, denen die Aussenbewirtung über mehrere Monate hinweg vollständig verunmöglicht wird, nur auf absolute Härtefälle abzielt.

Die Herausforderung ist indes, eine objektive Selektion solcher Fälle vornehmen zu können, damit keine Ungleichbehandlung der Betriebe entstünde.

Der Rechtsdienst der Stadtkanzlei hat analysiert, wie eine solche Betroffenheit juristisch festzustellen wäre.

Vorab ist dabei festzuhalten: Ein Anspruch auf Zuteilung einer Boulevardfläche und auf Nutzung des öffentlichen Grunds besteht in den hier zur Diskussion stehenden Fällen nicht.

Infolgedessen können betroffene Gastronomiebetriebe aus einer allfälligen Verweigerung einer Boulevardbewilligung keine Ersatzansprüche geltend machen.

Und es werden natürlich nur Boulevardflächen verrechnet, die auch tatsächlich genutzt werden können.

Eine Möglichkeit, Schadenersatzansprüche zu stellen ergibt sich aus dem Enteignungsrecht.

Für einen solchen Ersatzanspruch müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein. Die Anforderungen sind also sehr hoch.

Das gilt nicht nur für die im Postulat angesprochenen Gastrobetriebe, sondern für alle Gewerbebetriebe in der Stadt.

Konkret müssen die vorübergehenden Baueinwirkungen auf den Betrieb in ihrer Art, Dauer und Stärke als übermässig im Rechtssinne qualifiziert werden können. Da spielen vor allem die Länge der Dauer der Beeinträchtigung, die positiven oder negativen Immissionen sowie nachweisbar und kausal durch die Auswirkungen der Baustellen verursachte Umsatzeinbussen etc. eine wichtige Rolle.

Die Beweispflicht liegt bei den Gesuchstellern, welche einen Schadenersatz verlangen.

Nur, wenn alle Kriterien kumulativ vorliegen, kann eine Schadenersatzpflicht der Stadt entstehen.

Letztlich wird auf Gesuch hin jeder Einzelfall konkret und eingehend geprüft werden müssen.

Das gilt auch bei Nichtüberweisung des Postulats.

Eine erste, summarische Prüfung durch den Rechtsdienst der Stadtkanzlei hat ergeben, dass die erforderlichen, anspruchsvollen Voraussetzungen bei kaum einem der aktuell betroffenen Gastronomiebetriebe erfüllt sein dürften.

Aber wie gesagt, müsste das im Einzelfall konkret beurteilt werden. Wir können und wollen das hier nicht vorwegnehmen.

Der Stadtrat erachtet eine Überweisung des Postulats als wenig sinnvoll, denn dies würde Erwartungen schüren, dass es eine generelle Antwort auf das angesprochene Problem gibt, die für alle Betriebe passt.

Dem ist aber nicht so.

Es muss jeder Einzelfall auf Gesuch hin konkret geprüft werden.

Deshalb beantragt der Stadtrat die Umwandlung des Postulats in eine Interpellation.

100 Jahre Spielvi – 100 Jahre Integration, soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit

Rede zum 100 Jahre Jubiläum der Spielvereinigung Schaffhausen vom 02.07.2022

Ich freue mich sehr, der Spielvi zu ihrem runden Geburtstag die Glückwünsche und Grüsse der Stadt Schaffhausen überbringen zu können.
John F. Kennedy hat in Berlin einmal gesagt, «auch ich bin ein Berliner» – ich sage heute hier auf dem Bühl, «auch ich bin ein Spielvianer», denn ich weiss ja ein wenig, wovon ich rede, schliesslich hat mein Sohn fast alle Juniorenabteilungen der Spielvi durchlaufen und spielt heute noch hier auf dem Bühl. 

Der Fussballsport hat weltweit und auch in unserer Stadt eine lange Tradition. Trotz vielen Hochs und Tiefs, Auswüchsen und negativen Begleiterscheinungen, hat er auch nach so langer Zeit nichts von seiner Faszination verloren. Viele gescheite Leute haben schon versucht zu erklären, warum das so ist. Ich verzichte heute darauf und stelle einfach fest: Fussball ist doch die schönste Nebensache der Welt; sie bringt Menschen zusammen, sie verbindet und integriert, sie schafft Identifikation und trägt auch noch zur Volksgesundheit bei. Und wenn der Sport in einem so vorbildlichen Verein erlernt und gespielt wird wie der Spielvi, die sich der Integration, sozialer Verantwortung und Nachhaltigkeit verschrieben hat, dann kann das für ganz viele junge Menschen zu einer wichtigen Lebensschule werden. Denn Tugenden wie Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Fairplay und Solidarität, sind nicht nur im Fussball zentral, um als Team erfolgreich zu sein.

Aber auch wenn der Fussball in den vergangenen Jahrzehnten nichts von seiner Faszination verloren hat, genügt das alleine noch nicht, um einen Verein wie die Spielvi erfolgreich über 100 Jahre zu etablieren.  Das ist kein Selbstläufer. Die Geschichte der Spielvi zeigt, wie sich ein Verein auch immer wieder neu erfinden muss, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Dabei hilft natürlich eine DNA, ein Wertesystem, das Orientierung gibt. Für die Spielvi war und ist das Integration und soziale Verantwortung.  Die gelebte Toleranz und Integration von Menschen aus anderen Ländern, Kulturen oder Religionen war immer wichtig und zeigte sich früher vor allem am Beispiel der Familien der italienischen Gastarbeiter. Die Spielvi will nicht nur ein Fussballclub sein, sondern den Menschen eine emotionale Heimat geben, wo sie ernst genommen werden, unabhängig von ihrer geografischen oder sozialen Herkunft, ganz im Sinne des Slogans «Einmal Spielvi – immer Spielvi». Auch die Eltern der Juniorinnen und Junioren sollen Teil der Spielvi-Familie werden. Zahlreiche Veranstaltungen, bei denen die Spielvi als Organisatorin auftritt, ermöglichen dies. Dazu gehört das traditionelle Schüler-Moskitoturnier genauso wie die legendäre Spielvi-Revival Party oder der Family Day. Dazu gehört aber auch die sympathische Aktion zum Jubiläum mit den Spielvi-Coins, die sich die Teams mit Wettkämpfen, Fairplay und Sozialeinsätzen verdienen können sowie die Finanzierung eines Fussball-KIeinfelds auf dem Teerplatz im oberen Teil des Bühl.
Und damit sind wir schon beim zweiten Erfolgsfaktor des Vereins: Seine engagierten Mitglieder, die in den vergangenen 100 Jahren Grosses geleistet haben, eben nicht nur auf dem Fussballplatz, wie beim legendären Aufstieg in die Nati B in der Saison 1996/97. Für diese wertvolle Freiwilligenarbeit und den grossen Idealismus gebührt Euch allen, stellvertretend für die vielen Spielvianer der letzten 100 Jahre, ein riesen Dank der Stadt!

Als grösster Sportverein Schaffhausens mit über 650 Mitgliedern, davon 427 Juniorinnen und Junioren, mit 25 Mannschaften im Breiten- und Leistungssport trägt die Spielvi wesentlich bei zu unserer hohen Standortattraktivität. Der Stadtrat ist sich dessen bewusst. Deshalb unterstützen wir den Verein ja auch über eine günstige Zurverfügungstellung der Infrastruktur hier im Bühl oder in den städtischen Turnhallen sowie durch Jugendförderbeiträge (2022: Fr. 13’680). Darum bin ich auch heute nicht mit leeren Händen gekommen und überbringe dem Geburtstagskind ein Geschenk in Form eines Versprechens, das nächstes Jahr eingelöst wird: Der Stadtrat hat im Budget 2023 Fr. 670’000 für die Sanierung des Kunstrasens Bühl eingestellt. Das heisst, der Platz soll in der Sommerpause 2023 erneuert werden, damit auch weiterhin viele Fussballbegeisterte das ganze Jahr über bei guten Bedingungen trainieren und sich hier möglichst unfallfrei messen können. Zudem leisten wir auch einen finanziellen Beitrag an das Jubiläumsbuch.

Liebe Spielvianer
Die lange Erfolgsgeschichte der Spielvi bringt auch Verantwortung und ist eine Verpflichtung für die Zukunft. Auch in den nächsten Jahren braucht es ganz viel Herzblut und Freiwilligenarbeit, um diese tolle Story weiter zu schreiben. Dafür wünsche ich Euch viel Glück und Erfolg, viele engagierte Helferinnen und Helfer, Trainerinnen und Trainer, Spielerinnen und Spieler, Supporterinnen und Supporter sowie treue Sponsoren, welche Eure wichtige Arbeit unterstützen. Die Stadt wird der Spielvi auch in Zukunft eine verlässliche Partnerin sein.

Happy Birthday und nur das Beste für die nächsten 100 Jahre!

Willkommen in Schaffhausen dem Bundesrat auf seinem „Schuelreisli“

Begrüssungsrede auf dem Fischmarkt vom 30.06.2022

Im Namen von 37’713 Schaffhauserinnen und Schaffhauser begrüsse ich Sie ganz herzlich hier in unserer wunderbaren historischen Altstadt mit ihren 171 Erkern.
Schön, dass Sie, Herr Bundespräsident Cassis, mit Schaffhausen auch den nördlichsten Teil des Landes als Ziel für das «Schulreisli» des Bundesrats ausgewählt haben.

Die Freude über Ihren Besuch ist bei uns auch deshalb so gross, weil wir uns bei der Aussenwahrnehmung unserer tollen Region manchmal als etwas «weit weg von Bern» fühlen.
Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass Schaffhausen bislang noch nie eine Bundesrätin oder einen Bundesrat stellen konnte.
Walther Bringolf, ein legendärer Vorgänger von mir im Amt des Stadtpräsidenten, war zwar 1959 offizieller Kandidat seiner Fraktion in der Bundesversammlung, musste dann aber Hanspeter Tschudi den Vortritt lassen.  

Sehr geehrte Damen und Herren
Unsere Stadt, die 2020 ihren 975. Geburtstag hätte feiern können – leider kam Corona dazwischen – ist bereits 1501 der Eidgenossenschaft beigetreten und war im Mittelalter eine der bedeutendsten Orte des heutigen Territoriums unseres Landes.
Der Kanton, der erst im 19. Jahrhundert entstand, ist im Vergleich dazu noch fast ein Teenager.

Heute ist unsere Stadt das wirtschaftliche, gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Zentrum einer ganzen Region.
Und wenn ich von Region rede, meine ich nicht nur den gesamten Kanton SH, sondern auch die angrenzenden Gebiete der Kantone ZH und TG sowie unsere deutsche Nachbarschaft.
Einerseits sind wir wichtiger Teil der Metropolitanregion Zürich, andererseits auch des internationalen Städtebunds Bodensee.

Als Grenzstadt sind für uns gute Beziehungen unseres Landes zur EU elementar, auch weil wir auf die Arbeitskräfte aus dem angrenzenden Ausland angewiesen sind.
Nicht zuletzt dieses Fachkräftepotenzial hat uns bisher geholfen, wirtschaftlich erfolgreich zu sein, was es uns als Stadt zurzeit ermöglicht, kräftig in die öffentliche Infrastruktur zu investieren.
Ein Beispiel dafür sind die Verkehrsbetriebe: Wir waren die erste Stadt der Schweiz, welche erfolgreich die Weichen für die vollständige Elektrifizierung des Ortsverkehrs gestellt hat.

Unser wichtigster Asset ist natürlich die einmalige Lebensqualität unserer Stadt zwischen Randen und Rhein, für die wir auch Einiges unternehmen. Wir waren nicht nur erste Energiestadt Europas, wir sind auch Grünstadt, Teil des regionalen Naturparks SH und auf dem besten Weg zur Smart City.

Ich komme damit schon zum Schluss meines Werbespots und nutze noch gerne die Gelegenheit Ihnen, geschätzte Mitglieder des Bundesrats, im Namen der Stadt SH ganz herzlich für Ihren wertvollen Einsatz für unser Land zu danken.

Wir wünschen Ihnen weiterhin einen spannenden resp. entspannenden, teambildenden Ausflug und hoffen, dass Sie möglichst bald wieder zu uns zurückkommen. Wir würden uns freuen und Sie werden es bestimmt nicht bereuen.