Mal angriffig, mal Familienmensch

Entwicklung Kammgarnareal: Einmalige Chance für Schaffhausen nutzen!

Foto: (von links nach rechts) Lorenz Bärlocher, CFO IWC, Martin Kessler, Regierungspräsident, Peter Neukomm Stadtpräsident, Raphael Rohner, Stadtrat, Katrin Bernath, Stadträtin im Westflügel anlässlich der Eröffnung des Tags der offenen Tür

Ich begrüsse Sie sozusagen als Hausherr hier im Westflügel der Kammgarn im Namen der Stadt als Eigentümerin.

Sie haben es sicher selber festgestellt oder dann werden Sie es noch, wenn Sie die Räumlichkeiten des Westflügels anschauen werden: Hier weht ein Wind der Kreativität, der Innovation und des Aufbruchs. Dieser frische Wind hat auch die Absichten von Kanton, Stadt und IWC zur Entwicklung des Kammgarnareals, über die wir heute nochmals informieren möchten, vorwärtsgetrieben.

Wie bei den letzten grossen Vorlagen der Stadt – z.B. zur Sanierung des Stadthausgevierts und der E-Busvorlage – soll die Bevölkerung vor Ort durch die politischen Verantwortungsträger und die Fachleute der Stadt aufgezeigt werden, was, wie saniert werden soll und wo welche Nutzungen nach der Sanierung stattfinden werden.

Auch die IWC wird nochmals aufzeigen, weshalb sie sich in dieser Public Privat Partnership engagiert und gemeinsam mit der Stadt investieren will.

 
Die Entwicklung des Kammgarnareals ist für die Stadt und für die ganze Region eine einmalige Chance, die wir jetzt unbedingt packen sollten!

Der Westflügel ist dringend sanierungsbedürftig und der Hof wird heute öde als Parkplatz genutzt – dabei hat das Areal zwischen Altstadt und Rhein so viel Potenzial, ein attraktiver Begegnungsort unserer Stadt zu werden und damit die Stadt auch näher an den Rhein zu bringen.

Darum soll jetzt eine Tiefgarage her, damit der Hof neugestaltet werden kann – grün, mit Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung und mit einer Veranstaltungsfläche.

Der Westflügel wird saniert und mit neuem Leben gefüllt:
Pädagogische Hochschule im 2. und 3. OG, Freihandbibliothek im EG und 1. OG, Ludothek im 2. OG, Gastro im EG, spannende Unternehmen mit neuen Arbeits- und Ausbildungsplätzen im 1. und 4. OG und ich hoffe, dass da dann auch ein paar der heutigen Zwischennutzer dabei sein werden.

Es ist also ein ausgewogener Nutzungsmix von 2/5 gewerblich/unternehmerisch, 2/5 Bildung und 1/5 öffentlicher Nutzung vorgesehen.

Und die Absichten des Stadtrats, was mit dem 4. OG geschehen soll, ist in der Vorlage vom 08.08.2019 und im Abstimmungsmagazin klar und unmissverständlich festgehalten: Wir wollen dort mit Unterstützung der Wifö spannende Unternehmen ansiedeln. Aufgrund der tollen Lage und den einzigartigen Räumlichkeiten ist die Wifö bezüglich Erreichen dieser Zielsetzung sehr zuversichtlich.

Gerade jetzt, mit der drohenden Rezession und den Herausforderungen im Detailhandel in der Altstadt, wird diese Investition und Belebung der Innenstadt zu einem wichtigen wirtschaftlichen Impuls für den ganzen Kanton.

Auch deshalb haben sich für diesen Meilenstein der Stadtentwicklung Stadt, Kanton und IWC zu einer historischen Partnerschaft zusammengefunden, die auch dazu beiträgt, dass die Investitionskosten für die Stadt mit netto Fr. 14.8 Mio. absolut tragbar bleiben.

Und Sie können beruhigt sein, es braucht auch keine Steuererhöhung wegen dieser wichtigen Investition.

Ich bin sicher, dass auch der ehemalige Stadtpräsident Felix Schwank seine helle Freude an diesem Projekt hätte: Denn er war es, der 1982 das Kammgarnareal für die Stadt gekauft hat, um dort eine Entwicklung mit einem möglichst grossen Mehrwert für die Bevölkerung sicherzustellen.

Und genau das machen wir jetzt.

Historische Partnerschaft Stadt – Kanton – IWC

Interview Radio Munot vom 04.06.2020

Neue Impulse für die Innenstadt

Schaffhauser Bock vom 30.06.2020

Wasserstofftankstellen – Bedarf in Schaffhausen?

Mit Datum vom 7. Januar 2020 hat Grossstadtrat René Schmidt eine Interpellation zu den Voraussetzungen für Wasserstoff-Tankstellen in der Stadt Schaffhausen eingereicht.

Der Stadtrat nimmt dazu wie folgt Stellung:

  1. Wie beurteilt der Stadtrat die künftige Entwicklung und das Potenzial der Wasserstoffmobilität?

Die Wasserstofftechnologie bietet grosses Potenzial vor allem für die Bereiche Industrie, Schwerlast- und Schiffsverkehr. In diesen Bereichen besteht die Möglichkeit, dass sich die Wasserstoff-Technologie langfristig durchsetzen kann. Deshalb hat die Schweiz vor kurzem zusammen mit den EU-Staaten einen Appell an die EU-Kommission gerichtet, einen Aktionsplan für die Nutzung von Wasserstoff auszuarbeiten. Die Wertschöpfung dafür soll in Europa geschehen und nicht nur in Asien.
Wasserstoff ist grundsätzlich ein toller Energieträger. Zur Herstellung benötigt man nur Wasser und elektrischen Strom und bei der Nutzung durch Verbrennung oder in einer Brennstoffzelle entsteht als Abfallprodukt wieder Wasser. Im Hinblick auf die Umweltbilanz über die gesamte Prozesskette macht die Anwendung dieser Technologie aber nur Sinn, wenn der Wasserstoff mit erneuerbaren Energien hergestellt wird. Im Moment steckt die Technologie noch in den «Kinderschuhen», weshalb die Gewinnung und das lokale Handling von Wasserstoff noch sehr teuer sind.

Die Brennstoffzellen-Technologie kann einige Vorteile vorweisen. Hierzu gehören die höhere Reichweite, das leichtere Gewicht und das schnellere Betanken im Vergleich zu batteriebetriebenen Fahrzeugen. Demgegenüber steht die Ineffizienz der wasserstoffbetriebenen Fahrzeuge. Diese erreichen über die gesamte Prozesskette nur einen Gesamtwirkungsgrad von knapp 30% bei der Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien. Ein batteriebetriebenes Fahrzeug erzielt einen Gesamtwirkungsgrad von über 75%. Das heisst, dass für Wasserstoffmobilität pro Kilometer mehr als die dreifache Strommenge notwendig ist. Das ist ein Handicap im Vergleich mit den reinen Elektrofahrzeugen.

Diese Erkenntnisse führen dazu, dass auch grosse Autoproduzenten sich vorderhand auf die Elektromobilität fokussieren und nicht auf den Wasserstoffantrieb. So liegt beim grössten Autokonzern Volkswagen mit seinen Marken VW, Audi, Seat, Skoda, Porsche, Bentley und Lamborghini, welche für einen Prozent des globalen CO2-Ausstosses verantwortlich ist, der Fokus klar auf der Umstellung der bestehenden Produktepalette zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Der Konzern investiert hierfür 33 Mia. Franken. Bis 2029 will er 75 neue Elektromodelle auf den Markt und 26 Miol E-Autos auf die Strasse bringen. Die Wolfsburger bekennen sich dabei klar zur Batterie und distanzieren sich dezidiert von der Brennstoffzelle.[1] Auch Opel wird bis 2024 alle Modelle in elektrifizierten Varianten anbieten.[2]

Am 6. Mai 2020 konnten wir in den Medien folgende Meldung lesen: «Daimler: Aus für Wasserstoff-Autos»[3]. Darin heisst es: «Daimler mit seinen Marken Mercedes-Benz und Smart stellt die Entwicklung von Brennstoffzellen-Technik für seine PW-Sparte ein – zumindest vorläufig. Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb seien aufgrund der schwierigen Marktbedingungen preislich nicht konkurrenzfähig im Vergleich zu batterieelektrischen Fahrzeugen (…). Daimler will jedoch die Entwicklung der Brennstoffzellen-Technik für den LKW-Bereich weiter vorantreiben».

Aus diesen Gründen sieht der Stadtrat das Potenzial der Wasserstoffmobilität derzeit primär in den Nischenbereichen, wie bei dem Gütertransport mit LKW und beim Personentransport mit Bussen, bei denen längere Reichweiten überwunden werden müssen und die Tankzeiten eine wichtige Rolle spielen. Das sieht auch der Automobil-Wissenschafter Ferdinand Dudenhöffer so[4]: «Bei Bussen und Nutzfahrzeugen kann man sich Wasserstoff als Treibstoff gut vorstellen. Bei Personenwagen ist der Brennstoffzellenantrieb mit Wasserstoff zu teuer. Eine Wasserstofftankstelle kostet 1 Million Franken.» Der Förderverein H2 Mobilität Schweiz koordiniert den Ausbau des Wasserstoff-Tankstellennetzes. Sechs Tankstellen sind in Planung und teilweise bereits im Bau.[5]

Auch Ernst Basler und Partner (EBP) kommen in ihrer neusten Studie zu Szenarien der Elektromobilität in der Schweiz – Update 2020 vom 2. März 2020 unter Ziff. 7, S. 10, zu folgendem Schluss: «Die Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge stecken noch in der Pionierphase. (…) Anfang 2020 stehen erst zwei Fahrzeugmodelle zum Vekauf. Im Jahr 2019 sind 25 solcher Personenwagen neu zugelassen worden». Und weiter: «Aufgrund fehlender Skaleneffenkte sind Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeuge noch sehr teuer. Für diese Fahrzeuge wird es schwierig, den Vorsprung der batterie-elektrischen Fahrzeuge in den nächsten Jahren aufzuholen». Deshalb sehen die Studienautoren auch, dass sich diese Fahrzeuge nur in einigen Nischen durchsetzen werden, aber nur bei einer sehr strengen Klimaschutzpolitik.

SH POWER betreibt seit 2003 an drei verschiedenen Standorten im Versorgungsgebiet Erdgas- bzw. Biogastankstellen. Neben den Fahrzeugen von SH POWER und Privatfahrzeugen werden dort aktuell auch zwei LKW eines Transportunternehmens betankt. Dieser plant zurzeit den weiteren Ausbau seiner Flotte bzw. den Ersatz von Dieselfahrzeugen durch Gasfahrzeuge.

2.    Wie stellt sich der Stadtrat zur Beschaffungsstrategie von Fahrzeugen mit Antrieben erneuerbarer Energie bzw. Wasserstoff?

Die Stadt Schaffhausen und SH POWER setzen sich seit Jahren für eine umweltschonende Mobilität ein und die Beschaffungsstrategie für Fahrzeuge ist dementsprechend formuliert. Seit 2003 wurden bei SH POWER weitestgehend CO2-neutrale gasbetriebene Fahrzeuge beschafft. Neben der Gasmobilität fördert SH POWER seit 2017 vermehrt die Elektromobilität und baut selber öffentliche Elektroladestationen. Zudem werden Planer, Unternehmer sowie Hausbesitzer beim Bau privater Lademöglichkeiten unterstützt. Vor jeder Fahrzeugbeschaffung wird ein Anforderungsprofil erstellt und eine umweltfreundliche Antriebstechnik wird stets bevorzugt (Rangliste: 1. Elektro, 2. Gas und 3. Benzin/Diesel). Auch die Stadtverwaltung hat als Ziel ihre Fahrzeugflotte zu ökologisieren und Elektro-Fahrzeuge sind bereits in verschiedenen Bereichen im Einsatz. Die Elektrifizierung der städtischen Dienstfahrzeuge bildet auch Bestandteil des Konzepts Elektromobilität, das zur Zeit in Erarbeitung ist und über das der Grosse Stadtrat noch dieses Jahr orientiert wird.

Die stadteigenen Verkehrsbetriebe VBSH haben sich ebenfalls für eine Elektroantriebsstrategie mit Batteriespeicher und Schnellladesystem entschieden. Hier ist der Aspekt der lokalen Produktion von Ökostrom im Wasserkraftwerk der KWS AG mit der unmittelbaren räumlichen Anbindung an die zukünftige Ladeinfrastruktur am Bahnhofplatz ein wesentlicher Vorteil gegenüber einer Lösung mit Wasserstoffantrieb. Dies haben Abklärungen für das Projekt ergeben. Dabei wurde festgestellt, dass die Wasserstofftechnologie bei Langstreckenfahrten (grosse Reichweite) und unplanbaren Routen im Vorteil ist. Im öffentlichen Nahverkehr sind die Routen hingegen kurz und planbar (Fahrplan). Zudem weist der Wasserstoffbus einen schlechteren Wirkungsgrad auf und der Umgang mit dem hochexplosiven Wasserstoff ist ein Problem, weshalb E-Busse die sinnvollere Lösung für Schaffhausen sind.

3.    Ist der Stadtrat bereit bei der Suche nach einem Standort für eine Wasserstoff-Tankstelle Hilfe anzubieten, um damit die Chance der Realisierung einer H2-Tankstelle zu erhöhen?

Da die Stadt Schaffhausen ein bedeutender Logistikstandort und nach Basel die zweitgrösste Übertrittszone zu Deutschland ist, wird langfristig mit einem Bedarf nach Wasserstofftankstellen für den Fernverkehr zu rechnen sein. Zur Zeit sieht der Stadtrat keinen unmittelbaren Bedarf, steht dem Transformationsprozess im Mobilitätssektor jedoch technologieoffen gegenüber. Es ist davon auszugehen, dass neben dem batterieelektrischen Antrieb auch andere Konzepte wie die Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie einen wesentlichen Beitrag an eine umweltschonendere Mobilität leisten werden. Die aktuelle Versorgung mit Wasserstoff ist im Umfeld von Schaffhausen in Hunzenschwil (85km), Dübendorf / Dietlikon (47km), Geisingen (D, 50km) möglich. Bei einem nachgewiesenen Bedarf nach einer Wasserstofftankstelle in Schaffhausen sind der Stadtrat und SH POWER gerne bereit, im Rahmen der städtischen Zuständigkeitsbereiche Hilfestellungen bei der Suche möglicher Standorte sowie bei der Realisierung der notwendigen Infrastruktur zu leisten. Dabei wird sich dann auch die Frage des Einbezugs weiterer Player wie des Fördervereins H2-Mobilität Schweiz[6] stellen.


[1] Tages-Anzeiger vom 19.03.2020, S. 31

[2] Tages-Anzeiger vom 16.04.2020, S. 27

[3] Schaffhauser Nachrichten vom 07.05.2020, S. 12

[4] Schaffhauser Nachrichten vom 05.03.2020, S. 8

[5] Auto Umweltliste des VCS vom März 2020, S. 12

[6] https://h2mobilitaet.ch/