Stadtpräsident stellt sich den Medien

Schaffhauser Nachrichten vom 03.01.2015

von Zeno Geisseler

Wenn sich ein Politiker einer Medienmeute von rund 50 Journalisten stellen muss, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. Das «Meet the press» des neuen Stadtpräsidenten Peter Neukomm am 31. Dezember hatte aber keinen Skandal als Hintergrund: Jedes Jahr lädt der Schaffhauser Presseverein eine prominente Person an seinen Silvesterapéro ein, und dieses Jahr war Neukomm der Einladung gefolgt.

«Wir wollen Ihnen den Puls fühlen», sagte Pressevereins-Präsident Sandro Stoll zur Begrüssung, um dann das SP-Urgestein Neukomm sogleich versehentlich als langjähriges Vorstandsmitglied der städtischen FDP vorzustellen. Stoll hatte die Lacher auf sicher, und Neukomm, der viele Jahre als Untersuchungsrichter tätig gewesen war, nahm den Ball auf: «Man kann sich fragen, ob das mit der FDP eher rufschädigend oder ehrverletzend ist», meinte er schmunzelnd. Damit war er bei einem seiner Kernthemen, beim Verhältnis zu den Medien: «Ich hatte es immer gut mit den Medien, meistens jedenfalls. Schon in meiner Zeit als Strafverfolger hatte ich viel mit den Medien zu tun, die Medienarbeit ist ein Steckenpferd von mir.»

Vorbild: Andreas Gross
Neukomm verriet, dass er früher, während seines Studiums, selbst journalistisch tätig gewesen sei, nämlich für die «schaffhauser az» unter Bernhard Ott. «Das war eine spannende und schöne Zeit.» Ihn zog es dann aber doch in die Juristerei, mit 29 wurde er Untersuchungsrichter, und daneben entwickelte sich seine politische Karriere. «Ich war familiär vorbelastet», sagte Neukomm mit Blick zu seinem ebenfalls anwesenden Vater, alt Regierungsrat Ernst Neukomm. Er sprach dar-über, dass der langjährige Zürcher SP-Nationalrat und GSoA-Vordenker Andreas Gross ein Vorbild gewesen sei und dass er selbst eigentlich ein liberaler Mensch sei. Dann ging Neukomm mit den bürgerlichen Kräften in der Stadt Schaffhausen hart ins Gericht: «Früher, als ich ins Parlament kam, hatten FDP und SVP ein Commitment zur Stadt. Das hat sich total verändert. Heute ist auf bürgerlicher Seite der Staat der Hauptfeind. Zudem gab es eine Umschichtung im bürgerlichen Lager. Früher hatten wir Industrielle im Parlament, die standen zum Staat, engagierten sich für Kultur, wo sind sie heute? Wirtschaft und Führungskräfte engagieren sich gar nicht mehr.» Die Politik sei schwieriger und unzuverlässiger geworden, dennoch sei er stolz, für diese Stadt wirken zu können: «Ich werde mich weiterhin mit Herzblut dafür einsetzen, dass unsere Stadt lebenswert und leistungsfähig bleibt.» Dazu führte er ein Zitat des Berner Mundartbarden Mani Matter als eine Art politisches Credo an: «Dene, wos guet geit, giengs besser, giengs dene besser, wos weniger guet geit.»

Zur Zukunft der «Hallen»
Schliesslich war es Zeit für Fragen aus der Journalistenrunde. Unter anderem zum Weggang der Hallen für Neue Kunst: «Jetzt haben wir über 7000 Quadratmeter an bester Lage, nahe am Rhein. Wir haben eine Chance, ein neues Projekt mit der Platzgestaltung zusammenzuführen.» Ihm schwebe eine gemischte Nutzung vor, sagte Neukomm: «Einerseits wollen wir einen gewissen Geldwert generieren, andererseits aber auch die Kultur fördern und wenn möglich eine Bildungsinstitution in die Hallen bringen. Wir wollen, dass es dort unten lebt.» Weiter sagte Neukomm, dass die SP als wählerstärkste Partei der Stadt grundsätzlich Anspruch auf einen zweiten Sitz in der Stadtregierung habe. Dass die SP künftig tatsächlich einen zweiten Sitz holen wird, ist für Neukomm aber derzeit so gut wie ausgeschlossen: «Solange die AL im Stadtrat vertreten ist, werden wir keine Chance haben.»


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