Inländisches Fachkräftepotenzial besser nutzen

Ich danke der GPK für die sorgfältige und ernsthafte Beratung sowie die grundsätzlich positive Aufnahme unseres Berichts vom 21.10.2014. Wie Sie daraus entnehmen können, steht der SR hinter dem Ziel, den Frauenanteil im Kader zu erhöhen. Die ambitionierte Zielmarke liegt bei 35 %. Es geht also nicht um eine starre Quote. Es wird deshalb auch keine Quotenfrauen geben. 

Natürlich können wir keine Wunder bewirken, sondern nur einen Beitrag an die Rahmenbedingungen leisten. Schlussendlich sind die Frauen selber auch immer gefordert. Sie müssen auch wollen.

Wir haben mit unserem Bericht versucht, die Anliegen des am 27.11.2012 von diesem Rat überwiesenen Postulats ernst zu nehmen. Dabei geht es uns aber nicht primär um die Gleichbehandlung der Geschlechter, sondern um mehr. Es geht darum, unseren Auftrag, den wir von der Bevölkerung erhalten haben, zu erfüllen. Hierzu haben wir sicherzustellen, dass die wichtigen Dienstleistungen unserer Stadt, auf die unsere Bevölkerung angewiesen ist, auch in Zukunft in möglichster guter Qualität erbracht werden können. Hierzu braucht es das nötige Fachpersonal. Und weil wir mit einem sich weiter akzentuierenden Fachkräftemangel konfrontiert sind, müssen wir uns jetzt für die Zukunft rüsten. Wie heisst es doch so schön: „Gouverner c’est prévoir“.

Aufgrund der demografischen Entwicklung, die bei uns noch virulenter ist als in der übrigen Schweiz sowie wegen den absehbaren Einschränkungen, die sich mit der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative abzeichnen, wird sich der bereits heute festzustellende Fachkräftemangel künftig noch verschärfen.

Das beschäftigt nicht nur die Stadt SH, sondern alle Arbeitgeber in unserem Land. Deshalb heisst das unbestrittene Motto für die Zukunft: Bessere Ausschöpfung des inländischen Arbeitskräftepotenzial.

Auch der Bund hat hier seine Bemühungen verstärkt. In einer Stellungnahme auf eine Motion von Brigitte Häberli-Koller vom 24.09.2014 hielt der Bundesrat am 05.12.2014 fest:
„Der Bundesrat hat bereits 2011 im Hinblick auf die demografische Entwicklung die Fachkräfteinitiative lanciert. Nach der Annahme der Volksinitiative gegen die Masseneinwanderung hat er am 19.09.2014 beschlossen, die Fachkräfteinitiative zu intensivieren und neue Massnahme in die Wege zu leiten. Im Zentrum stehen dabei Massnahmen im Bildungsbereich wie auch zur Förderung weiblicher und älterer Arbeitskräfte. (…) Um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, unterstützte der Bundesrat die Verlängerung des Impulsprogramms zur Schaffung von Kinderbetreuungsplätzen (…). Er hat weiter eine Arbeitsgruppe beauftragt, zusammen mit den Kantonen bis Ende Juni 2015 Fragen bezüglich der Finanzierung von Tagesstrukturen im Schulbereich zu klären.“

Auch die Arbeitgeber haben festgestellt, dass sie in diesem Bereich aktiv werden müssen. Swissmem Präsident Hans Hess hat am 20.08.2014 an der Halbjahresmedienkonferenz seines

Verbandes Folgendes festgehalten:

Vor dem 09.02.2014 sorgten wir uns vor allem um die demografische Entwicklung. Die CH-Erwerbsbevölkerung altert und parallel dazu hat die Geburtenrate abgenommen. Dies wird zwangsläufig zu einem Defizit an Arbeitskräften führen. Das zwingt die Unternehmen, fehlende Fachleute im Ausland zu rekrutieren. Bis zum 09.02.2014 stand die Türe zum europäischen Arbeitsmarkt weit offen. Das CH-Volk hat diese Türe nun teilweise geschlossen. Damit hat das Thema Fachkräftemangel eine neue Dimension angenommen. Alle Branchen sind gefordert. Wir müssen das inländische Arbeitskräftepotenzial noch besser nutzen als in der Vergangenheit. Swissmem hat deshalb in Zusammenarbeit mit Vertretern der Mitgliederfirmen die Arbeiten an der Fachkräftestrategie in den vergangenen Monaten massiv intensiviert.“

Und in dieser Fachkräftestrategie ist unter dem Titel „B Frauen/Familien“ folgendes zu lesen:

„Es muss das Ziel sein, die Zahl der Frauen in der MEM-Industrie deutlich zu erhöhen. Die häufigsten Aussagen dazu sind, dass Frauen mit Kindern das Privatleben mit dem Beruf in Einklang bringen wollen. Zudem bemängeln Frauen das Angebot an strukturierter Kinderbetreuung oder die zu hohen mit einer Betreuung verbundenen Kosten. Ebenso betonen die befragten Mütter grosse Schwierigkeiten, die Arbeit nach einem Mutterschaftsunterbruch wieder aufzunehmen. Schwierig sei aufgrund des geringen Frauenanteils in der Branche die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch.“

Auf dem Weg, mehr Frauen für die Maschinenindustrie zu gewinnen, vertraut Swissmem deshalb auf vier Säulen. Die ersten beiden heissen:


1. Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

2.  Kinderbetreuung fördern.

Es finden sich darin interessante Parallelen zu den in unserem Bericht aufgeführten Massnahmen. Ich zitiere:
Die Unternehmen müssen Wege finden, wie sie für das Bedürfnis der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Familie und Beruf in Einklang zu bringen, Lösungen anbieten können. Dieses Bedürfnis beschränkt sich nicht nur auf Frauen. Den Männern ist dies genauso wichtig.

Wir sind also mit unseren bereits bestehenden und unseren geplanten Massnahmen in bester Gesellschaft.

Ich werde nicht alle im Bericht aufgezählten Massnahmen mit Ihnen durchgehen. Sie haben das ja alle gelesen. Der grösste Teil ist bereits umgesetzt oder die Umsetzung liegt im Zuständigkeitsbereich des Stadtrats.

Es wird vor allem eine Massnahme sein, welche aufgrund von allenfalls zu erwartenden Kostenfolgen noch vom Grossen Stadtrat beschlossen werden muss. Es geht um Ziff. 4.3 auf S. 6, um einen Beitrag an die ausserfamiliäre Kinderbetreuung für die Mitarbeitenden der Stadt. Diesem Instrument kommt eine immer grössere Bedeutung zu, wenn es um die Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Das hat sich auch bei den Stellungnahmen gezeigt, welche die Bereichsleitenden der Stadt im Hinblick auf die Berichtserstellung zum Postulat Thommen abgegeben haben.

Auch wenn wir in unserem Land bereits eine hohe Erwerbsquote haben, gibt es bei den Frauen, die heute oftmals eine gute Ausbildung genossen haben, ein erhebliches Potenzial an zusätzlichen, wertvollen Personalressourcen. Diese gilt es besser auszuschöpfen. Hierzu werden attraktive Angebote ausserfamiliärer Kinderbetreuung von immer mehr Unternehmen als wichtiges Instrument des Personalmarketings eingesetzt, übrigens auch vom Kanton SH. Um die, je nach gewähltem Beitragsmodell entstehenden Kosten besser abschätzen zu können, läuft beim städtischen Personal eine Umfrage. Die Ergebnisse sollen Aufschluss darüber geben, wie viele Mitarbeitende allenfalls einen Beitrag beanspruchen würden. Wir gehen davon aus, dass wir Ihnen noch im Laufe dieses Jahres mit einer Vorlage einen Vorschlag unterbreiten können.

Ich ersuche Sie im Namen des Stadtrats, den Anträgen der GPK zu folgen und das Postulat von Christine Thommen vom 30.10.2012 abzuschreiben.


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