Wichtiger Schritt zur Verbesserung von Familie und Beruf

Stellungnahme des Stadtrats zur Voirlage Beiträge an die ausserfamiliäre Kinderbetreuung städtischer Mitarbeitenden vom 09.05.2017 im Grossen Stadtrat

Nach Art. 21 Abs.1 lit. b und Abs. 2 lit. b Personalgesetz (PG) ist der Stadtrat zuständig für Massnahmen und Leistungen zur Gewinnung und Erhaltung von Mitarbeitenden. Es liegt daher in der Kompetenz des Stadtrates, einen Beitrag an eine ausserfamiliäre Kinderbetreuung festzulegen und die daraus resultierenden notwendigen Mittel zu sprechen.

Der Stadtrat hat in seinem Bericht vom 21. Oktober 2014 (Postulat Thommen „Mehr Frauen in die Chefetagen der städtischen Verwaltung“) jedoch versprochen, dem Grossen Stadtrat eine Vorlage mit diesem Modell zu unterbreiten. Deshalb soll dem Parlament in Nachachtung dieses Versprechens die Umsetzung aufgezeigt werden. Der dafür notwendige Betrag wird für das Budget 2018 zur Genehmigung unterbreitet.

Zum gewählten Modell:
Zur Umsetzung wird das Personalreglement um einen neuen Artikel ergänzt (Art. 63a) und die genauen Bedingungen in Vollzugsvorschriften (Richtlinien, Beilage 1) verankert. In den Richtlinien werden die Anspruchsvoraussetzungen, das Gesuchs- und Auszahlungsverfahren festgehalten.

Alle städtischen Mitarbeitenden, inkl. VBSH und SH POWER, erhalten danach an eine nachgewiesene, professionelle Kinderbetreuung nach freier Wahl, unabhängig vom Wohnort, für ihre Klein-, Kindergarten- und Primarschulkinder einen Beitrag von max. 20 Franken pro Betreuungstag und Kind.

Die Anzahl der Beitragstage an die ausserfamiliäre Kinderbetreuung wird unter Berücksichtigung des Arbeitspensums der Mitarbeiterin oder des Mitarbeiters sowie der schriftlichen Vereinbarung für die professionelle Kinderbetreuung in einer Kindertagesstätte, bei einer Tagesmutter oder bei einer Nanny festgelegt. Der Personaldienst zahlt den festgelegten Beitrag mit dem Lohn aus. Dieser Betrag gilt als Lohnbestandteil und wird im Lohnausweis ausgewiesen.

Die Ausgangslage ist einerseits ein parlamentarischer Auftrag des Postulates Thommen, welches der Grosse Stadtrat am 29.11.2011 als erheblich erklärt hat. Am 21.10.2014 wurde dem Parlament ein Bericht übermittelt, worin es darum ging, dass das ursprüngliche Anliegen von Christine Thommen nicht nur auf das Kader und nicht nur auf Frauen beschränkt werden sollte. Es sollte im Rahmen der Familienförderung breiter gefasst werden. Das Postulat wurde am 20. Januar 2015 als erledigt abgeschrieben. Der Grosse Stadtrat zeigte sich mit der Stossrichtung einverstanden.

In der Vorlage geht es unter anderem auch um Arbeitgebermarketing. Wir haben das Problem des Fachkräftemangels, der sich aufgrund der demographischen Entwicklung verschärft hat und weiter verschärfen wird. Das sieht auch die kantonale Demografiestudie vom 21.02.2017 so. Ich erinnere Sie daran, dass in der Stadt SH jedes Jahr immer noch mehr Leute sterben, als Kinder auf die Welt kommen….

Zudem stehen wir nicht nur in direkter Konkurrenz zur Privatwirtschaft, sondern auch zu den öffentlichen Diensten Nachbarkantone, insbesondere zum Kanton Zürich. Ich erinnere Sie daran, dass man im Altersheim oder in der Schule in Feuerthalen erheblich mehr verdient als bei uns.

Mit unserer Massnahme haben wir vor allem gut ausgebildete Frauen im Visier und damit meine ich nicht primär studierte Frauen. Für sie spielt die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf eine wichtige Rolle. Und dazu gehören eben auch die Kosten der ausserfamiliären Familienbetreuung, die bei uns zu hoch sind. In vielen Fällen, in denen die Frau weiter im Arbeitsprozess bleibt, wendet die Familie einen grossen Teil ihrer Einkünfte für die Fremdbetreuung auf. Das ist kontraproduktiv. Der Bund wie der Schweizerische Arbeitgeberverband sehen das ebenso und unterstützen die bessere Ausschöpfung des Potenzials an gut ausgebildeten Frauen.

Der Nationalrat hat deshalb vor wenigen Tagen rund 100 Millionen Franken für bezahlbare und bedürfnisgerechte Kinderbetreuung beschlossen. Knapp 85 Millionen, sollen den Kantonen und Gemeinden helfen, die Betreuungskosten für die Eltern von Kindern im Vorschulalter zu senken. Denn Frauen sollen sich nicht wegen zu hoher Kosten der ausserfamiliären Kinderbetreuung völlig aus dem Berufsleben zurückziehen müssen. Wir möchten als Arbeitgeber diese Frauen ansprechen. Zudem werden je länger je mehr neue Familienmodelle gelebt und diesen tragen wir hiermit auch Rechnung.

Natürlich gibt noch weitere Instrumente, die wir zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzen: Zu erwähnen sind hier u.a. Teilzeitarbeit, Home Office, Jahresarbeitszeit etc..

Um unser Ziel zu erreichen, haben wir ein einfach zu handhabendes Modell der Privat­wirtschaft adaptiert. Auf dem Platz Schaffhausen gibt es mehrere grössere Arbeitgeber wie die GF, Cilag, IWC oder Unilever, die dieses Modell praktizieren und ihren Mitarbeitenden einen Beitrag von Fr. 30.00 bis Fr. 40.00 pro Kind und Tag bezahlen. Auch diverse Kantone und Städte leisten ihren Mitarbeitenden über unterschiedliche Modelle eine Unterstützung bei der ausserfamiliären Kinderbetreuung. Fast alle haben unterdessen eingesehen, dass dies eine der wichtigsten Massnahmen zur Verbesserung der Attraktivität als Arbeitgeber darstellt. Die Spitäler SH z.B. vergünstigen ihren Mitarbeitenden den Platz in ihrer eigenen Krippe um Fr. 35.00 pro Kind und Tag. Nochmals: Mit all diesen Unternehmen stehen wir in direkter Konkurrenz, wenn es darum geht, qualifiziertes Personal zu rekrutieren. Darum ist es wichtig, dass wir hier auch etwas bieten können.

Es war aber nicht nur ein parlamentarischer Auftrag, der uns dazu brachte, Ihnen diese Vorlage vorzulegen, sondern auch eine Verpflichtung gegenüber dem Personal. Denn, wenn ihnen bei der Mitarbeiterqualifikation ein MBO-Ziel mitgegeben wird, Vorschläge zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu machen, dann muss aus diesen Vorschlägen auch etwas entstehen. Sonst nimmt man seine Mitarbeitenden nicht ernst. Die Bedürfnisse und das Verbesserungspotenzial wurden nach der Auswertung sehr klar ersichtlich.

Aufgrund einer weiteren Umfrage, welche durch die Abteilungsleiterin Kinder- und Jugendbetreuung Sabina Hochuli zusammen mit dem PD ausgewertet hat, fallen für diese Massnahme jährlich maximal Fr. 250'000 Franken an, falls alle Eltern, welche ein positives Feedback gesendet haben, das Angebot beanspruchen würden. Das erscheint aber unwahrscheinlich, weshalb die Kosten sicher wesentlich tiefer liegen werden.

(Im Durchschnitt sind es 2 Tage, an denen die Kinder in eine Betreuung gegeben werden. Somit wurden die 130 Kinder x CHF 20, plus die 2 Tage vom Durchschnittswert x 48 Wochen gerechnet, was den Betrag von gut CHF 250'000 ergibt, der ins Budget eingestellt werden soll.)

Der Stadtrat sieht in dieser Massnahme - auch im Hinblick auf die riesigen Herausforderungen der Zukunft - ein wichtiges Instrument zur Erhaltung und Gewinnung von qualifiziertem Personal, das wir für eine möglichst gute Erbringung des Service Public zugunsten unserer Bevölkerung auch künftig dringend benötigen. Die finanziellen Folgen dafür sind tragbar. Deshalb ersuchen wir Sie darum, den entsprechenden Betrag fürs 2018 ins Budget aufzunehmen.  


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