04.06.200 in den Schaffhauser Nachrichten
Rauf auf den Bock - und wieder runter
Peter Neukomm (SP) leitet am Abend zum ersten Mal von Anfang an eine Sitzung des Grossen Stadtrates von Schaffhausen.

Ist ja logisch, könnte man meinen, dass er Politiker geworden sei. Auf seinen Bruder Thomas hat es schliesslich auch abgefärbt. Der Name verpflichtet. Vater Ernst war bis Ende letzten Jahres Regierungsrat des Kantons Schaffhausen; der amtsälteste Regierungsrat der Schweiz überhaupt. Dessen Bruder Alfred wiederum war während 16 Jahren in der Berner Stadtregierung tätig. «Die Politik war bei uns zu Hause schon sehr dominant», sagt Peter Neukomm dazu und fügt dann an: «Allerdings erst seit der Generation vor mir.» Die Grosseltern hätten mit Politik noch nichts am Hut gehabt, sich mit ganz anderen Sorgen herumgeschlagen. «Der eine Grossvater war Bauarbeiter, der andere Polizist. Vielleicht kommt von Letzterem auch meine Affinität zur Strafverfolgung», schmunzelt der 38-Jährige, der hauptberuflich als Untersuchungsrichter des Kantons Schaffhausen arbeitet.
Erste Kandidatur 1988
Vor zwei Wochen wurde Peter Neukomm mit dem Glanzresultat von 44 Stimmen zum höchsten Städter gewählt. Der Jurist kann schon auf eine längere politisch aktive Laufbahn zurückblicken, die im Alter von etwa 16 Jahren anfing. Aufgewachsen in der Stadt Schaffhausen und in Löhningen, war er Ende der siebziger Jahre Mitbegründer der hiesigen Juso-Sektion. Mit 20 half er mit, die SP Löhningen zu gründen, und tauchte im Herbst 1988 erstmals als Kandidat auf einer Kantonsratsliste auf - allerdings noch ohne Erfolg. 1992 fand man ihn wieder auf der SP-Liste des Grossen Stadtrates, und auch da glückte ihm der Sprung ins Parlament nicht auf Anhieb. Dank seines dennoch guten Wahlresultats rutschte er nur ein Jahr später für Beat Grüninger nach; ausgerechnet für seinen langjährigen Freund und Schulkollegen aus der Kantizeit. Und nun wird er Vorsitzender eben dieses Parlaments.
«Nicht nur einer Meinung»
Man könnte auch sagen, es sei ja logisch, dass Peter Neukomm für die Sozialdemokraten politisiert, wie es alle anderen Neukomms tun. Tatsächlich kann er selbst sich nicht vorstellen, einer anderen Partei anzugehören. Berührungsängste mit politisch Andersdenkenden kenne er deswegen aber keine. Im Gegenteil: Zu seinem engsten Freundeskreis zählt er auch Leute, die einer anderen Partei angehören und seine Ansichten nicht unbedingt teilen. Dass in der Familie Neukomm stets politische Einigkeit herrscht, treffe jedoch nicht zu. «Auch wir hatten daheim schon manch heftige Auseinandersetzung», sagt er und nennt als Beispiel das Thema Kernenergie. «Es stimmt allerdings schon, dass ich mich politisch immer der SP verbunden fühlte. Es spricht vielleicht auch für die Überzeugungskraft meines Vaters.»
Konstellation ist Zufall
Ausgerechnet jetzt, wo dieser nicht mehr im Amt ist, wird der Junior zum Grossstadtratspräsidenten. Eine einmalige Chance, aus dem grossen politischen Schatten zu treten? Peter Neukomm empfindet es erstens nicht so und weist zweitens darauf hin, dass diese Konstellation reiner Zufall ist. Geplant gewesen sei, dass sein «Freund und Förderer», der 1999 verstorbene Grossstadtrat Bruno Merlo, von der SP auf die Laufbahn geschickt werde, doch habe dieser abgelehnt und den Ball ihm zugespielt. «Ich merkte, dass ich das Amt gerne ausüben würde.» Er ist dankbar, dass ihm seine Fraktion, als Vertreter einer jüngeren Generation, diese Möglichkeit bietet, und findet es gleichzeitig bezeichnend für die Sozialdemokraten, ebenso wie den Umstand, dass die SP-Frauen bei Wahlen im Vergleich zu ihren Konkurrentinnen aus anderen Parteien jeweils überdurchschnittlich gut abschnitten.
Präsidium hat Nachteile
Er freut sich auf seine Aufgabe als Präsident, obwohl sie Mehraufwand mit sich bringt. Sein Beruf als Untersuchungsrichter habe den Vorteil, dass er sich seine Zeit selber einteilen könne - mit Ausnahme vom Pikettdienst, der es zwischendurch erforderlich machen könnte, dass er das Zepter im Rat kurzfristig der Vizepräsidentin übergeben muss. Weitaus schwerer fällt es ihm, dass er sich zwölf Monate lang nicht mehr bei den Geschäften zu Wort melden und aktiv in die Diskussion eingreifen kann. Gerade in diesem Jahr stehen gewichtige Traktanden an: die Verselbstständigung der Werke, die Heroinabgabe, die Wirkungsorientierte Verwaltungsführung und die Sackgebühr - um nur einige zu nennen. Neukomm ist bekannt dafür, dass er gerne und oft sein Votum abgibt. «Böse Zungen behaupten ja, dass ich nur deshalb so gut gewählt worden bin, damit ich nichts mehr sagen kann», lacht er. Tröstlich: Wenn es gar nicht mehr geht, kann er im Notfall immer noch vom Bock heruntersteigen und die Führung wiederum der Vizepräsidentin überlassen. Das wird wohl ausgerechnet schon in der ersten Sitzung heute Abend der Fall sein, wenn eine Interpellation Neukomms zum Fusswegnetz der Stadt behandelt wird. «Da kann ich nun wirklich nichts dafür, dass dieser Vorstoss erst jetzt behandelt wird», entschuldigt er sich. Eingereicht habe er ihn schliesslich im August letzten Jahres. Ansonsten werde er bemüht sein, sich mit Diskussionsbeiträgen zurückzuhalten und sich auf die Leitung des Ratsbetriebes konzentrieren.
Das Haus im «rote Egge»
Mit seiner Frau Ursula und den beiden Töchtern Leonie (6) und Sarah (8) bewohnt Peter Neukomm ein Reihenhäuschen im «rote Egge» des Seewadels in Buchthalen - in Nachbarschaft mit den SP-Leuten Hans-Jürg Fehr, Bruno Loher und Reto Zubler. In der Freizeit lenkt sich Peter Neukomm mit sportlichen Aktivitäten ab. Er ist begeisterter und - seit 20 Jahren ohne Unterbruch - lizenzierter Volleyballer, der bei der VBG Klettgau derzeit in der vierten Liga spielt. Ebenso gerne greift er zum Tennisracket oder setzt sich an den Computer. Für all dies wird er in Zukunft wohl noch etwas weniger Zeit finden - allerdings nicht wegen seines politischen Amts, sondern weil ihm seine Familie ebenso sehr am Herzen liegt und ihn in Zukunft noch einiges mehr beanspruchen wird: Peter Neukomm wird voraussichtlich im April zum dritten Mal Vater.


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