Abschied aus der Strafverfolgung

Abschiedsrede gehalten am 06.12.2012 im Keller des Altersheim am Kirchhofplatz in Schaffhausen

Sehr geehrter Herr Regierungsrat, sehr geehrte Frau Obergerichtspräsidentin, sehr geehrte Herren Kantonsgerichtspräsident, Justizkommissionspräsident, 1. Staatsanwalt und Polizeikommandant, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Staatsanwaltschaft, der Polizei, der Justiz, der Verwaltung, des Gefängnisses, des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes und der Kinderschutzgruppe. 

Ich fühle mich geehrt und freue mich sehr, dass Sie alle der Einladung zu meinem Abschiedsapéro Folge leisten konnten, trotz Samichlaus.

Fast 22 Jahre bei der Strafverfolgung und insgesamt gut 24 Jahre beim Kanton ist eine lange Zeit und hinterlässt Spuren. Da kann man ja nicht einfach gehen, ohne sich zu verabschieden. 

Die Strafverfolgung hat es mir angetan und ich bin ihr lange treu geblieben. Ich bin da vielleicht auch erblich etwas vorbelastet. Ohne die Schaffhauser Polizei oder besser gesagt der ehemaligen Kapo gäbe es mich nämlich gar nicht. Denn mein Vater lernte in der zweiten Hälfte der 50-er Jahre als Polizeiaspirant meine Mutter über meinen Grossvater kennen. Der war damals Kantonspolizist.

Ende 1990/Anfang 1991 - ich war 28 Jahre alt und erst gut 1 Jahr als Gerichtsschreiber am Kantonsgericht tätig - rief mich Paul Brantschen an. Er hatte noch einige Monate zusammen mit mir am Gericht gearbeitet, bevor er als 3. Untersuchungsrichter über die Beckenstube auf die andere Seite gewechselt hatte. Es sollte im Frühling 1991 eine 4. UR-Stelle geschaffen werden. Er schwärmte mir von diesem tollen Job vor und riet mir, mich auf die Ausschreibung zu melden. Obwohl ich wusste, dass ich bei einer Wahl als Untersuchungsrichter die Anwaltsprüfung abschreiben konnte, brauchte ich nicht lange zu überlegen. In diesem Alter eine solche Chance zu erhalten, bietet sich nicht oft. Glücklicherweise hat das dann auch geklappt. Ich wurde vom Kantonsrat neben Paul Brantschen, Ueli Breiter und Willy Zürcher zum 4. Untersuchungsrichter gewählt und trat meine Stelle am 01.04.1991 an. Und ich habe es nie bereut. 

Als UR zu arbeiten, war eine tolle Herausforderung und ein Privileg: Man war Teil der Justiz, genoss richterliche Unabhängigkeit, verfügte über eine hohe Selbständigkeit und trug eine grosse Verantwortung, da man ja auch Zwangsmassnahmen selber verfügen konnte. Sie merken: Ich trauere dem bewährten System der alten Schaffhauser Strafprozessordnung (StPO) mit dem UR-Modell nach. Mit der schweizerischen StPO bin ich nie wirklich warm geworden und das hat mir meinen Ausstieg aus der Strafverfolgung etwas erleichtert.

Ich bin bis heute mit Leib und Seele Strafverfolger geblieben und habe es immer sehr geschätzt, mit meiner Arbeit auch einen Beitrag für die Sicherheit der Schaffhauser Bevölkerung leisten zu dürfen. Wenn diese Arbeit nicht so abwechslungsreich gewesen wäre, hätte ich es sicher nicht so lange ausgehalten. 

Es bleiben viele Erinnerungen an spannende und zum Teil auch spektakuläre Fälle wie der Fall Dario, der GF-Millionenbetrug, der Fall Falken Brauerei, den Fall Fischer, den grossen Hanffall in Schleitheim, diverse Drogen-, Sexual- oder Tötungsdelikte - die meisten zum Glück mit erfolgreichem Ausgang. Da war sicher manchmal auch etwas Glück dabei. Es bleiben aber auch Erinnerungen an schwierige menschliche Schicksale, die einem nicht kalt liessen oder an viele interessante Menschen, mit denen ich in dieser Zeit zusammenarbeiten durfte.

Das gilt zum Beispiel für die Polizei, mit der ich immer ein gutes Verhältnis pflegte, genauso wie mit der übrigen Justiz, mit der Verwaltung und allen anderen involvierten Stellen und Fachleuten - übrigens auch mit den Medien, denn ohne ein gutes Zusammenspiel all dieser Beteiligten gibt es einfach keine erfolgreiche Strafverfolgung.
Und das ist ja einer der besten Seiten dieses Berufs, die interdisziplinären Zusammenarbeit. Man lernt immer wieder Neues kennen und muss sich damit auseinandersetzen. Die Strafverfolgung ist mehr als ein Beruf. Sie ist auch eine Art Lebensschule, von der ich bis heute profitiere. 

Es ist allen bewusst, dass diese Arbeit als Strafverfolger manchmal auch sehr herausfordernd und belastend sein kann. Ich habe das nur gut meistern können, weil ich ein intaktes familiäres Umfeld hatte und mich im Team immer getragen fühlte - bis zuletzt. Das kam auch dadurch zum Ausdruck, dass mir immer wieder verantwortungsvolle Aufgaben übertragen wurden, die ich gerne erfüllt habe, wie die Stellvertretung des Geschäftsleiters, die Zuständigkeit für Sexualdelikte mit Kindern, das erste Umsetzungskonzept für Operhilfe-Kinderbefragungen, die Vertretung des Amtes in der Kinderschutzgruppe, in der kantonalen AG Sicherheit nach dem Amoklauf in Zug oder in den letzten vier Jahren in der AG Krisenmanagement. 

Wer so lange in der Strafverfolgung arbeitet braucht aber auch einen Ausgleich. Leute, die nur für die Strafverfolgung leben, sind für mich immer abschreckende Beispiele gewesen. So wollte ich nie werden. Meine Hobbies hatten deshalb für mich immer einen hohen Stellenwert. Das waren zu Beginn vor allem der Sport und dann natürlich die Politik. Da ergab sich vor gut 4 Jahren die Möglichkeit, eine neue Herausforderung zu packen, beruflich nochmals etwas Neues zu wagen, etwas für das ich als "Hobby" schon viele Jahre Herzblut vergossen hatte. Ich habe diese Chance aber nur packen können, weil ich einerseits eine sehr verständnisvolle Ehefrau hatte und andererseits auch einen sehr fairen Arbeitgeber. Beiden bin ich zu grossem Dank verpflichtet. Ohne dem Goodwill des leitenden Staatsanwalt Willy Zürcher und des 1. Staatsanwaltes Peter Sticher, die mir vor 4 Jahren die Möglichkeit eröffnet haben, in einem 30 % Pensum weiter zu arbeiten, wäre dieser teilzeitliche Umstieg in die Politik für mich gar nicht möglich gewesen. Natürlich muss ich mich dafür auch beim Regierungs- und Kantonsrat bedanken, die das abgesegnet haben. 

Ich nehme nun mit Wehmut Abschied von der Strafverfolgung. Ich bleibe aber weiterhin im Dienste der Bevölkerung, jetzt einfach als Vollzeitpolitiker mit einem Teilzeitlohn. Ich kann mich nun vollumfänglich auf diese auch sehr spannende und dankbare Aufgabe bei der Stadt konzentrieren und hoffe, mit dem Wegfall der Doppelbelastung auch wieder etwas mehr Zeit für meine Familie zu gewinnen.

Ich freue mich, als Kantonsrat weiterhin eine gewisse Verbindung zur Strafverfolgung behalten zu können, wenn auch nur noch als Mitglied der Wahlbehörde und, wenn es dann der Rat so will, vielleicht sogar noch etwas näher in der Justizkommission.

Der heutige Anlass ist dazu gedacht, Euch allen nochmals von Herzen Danke zu sagen, für die Kollegialität und die gute Zusammenarbeit über die vielen Jahre hinweg, die ich immer sehr geschätzt habe und die mir bei der Erfüllung meiner Aufgaben eine wertvolle und wichtige Stütze waren. 

Ich freue mich, heute mit Euch anstossen zu können, wünsche Euch allen besinnliche und erholsame Festtage und nur das Beste zum neuen Jahr.


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